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Erkennung von Streit in einer Rennmausgruppe

Mongolische Rennmäuse bei der Rangordnungsklärung

In allen Rennmausgruppen wird es früher oder später Auseinandersetzungen zwischen den Tieren geben. Typischerweise beginnen Rennmäuse mit zirka zwölf Wochen ihre Grenzen gegenüber ihren Artgenossen auszutesten. Erfahrungsgemäß tritt eine weitere kritische Phase in einem Alter ab zirka neun Monaten auf. Die Schwere der Auseinandersetzungen ist von Gruppe zu Gruppe verschieden und stark vom Charakter der beteiligten Rennmäuse sowie der Gruppengröße, der Gruppenkonstellation und der Haltungsform abhängig.

Ein Rennmaushalter wird bei guter Beobachtung seiner Gruppe immer wiederkehrende Verhaltensweisen feststellen können, die unter Sozialverhalten beschrieben sind. Alle dort genannten Verhaltensweisen sind normal und sollten in jeder Gruppe akzeptiert werden.
Manchmal wird allerdings aus normalen Rangordnungsauseinandersetzungen blutiger Ernst. Die Rennmäuse werden gegenüber anderen Gruppenmitgliedern aggressiv und verbeißen ihre Kontrahenten im schlechtesten Fall.

Erste Anzeichen

Oft können Halter früh erkennen, wenn der Gruppenfrieden gestört ist. Auf folgende Alarmzeichen ist daher zu achten:

  • Schlafen die Rennmäuse in einem Nest?
  • Wirkt die Gruppe in sich harmonisch?
  • Dürfen alle Tiere an Futter und Wasser, in alle Häuschen, Röhren oder andere Einrichtungsgegenstände?
  • Benutzen sie ein gemeinsames Sandbad?

Sollte eine dieser Fragen mit Nein beantwortet werden, kann dies ein erstes Anzeichen sein, dass es in der Gruppe kriselt.

Wie kann ernsthafter Streit verhindert werden?

Falls ein Halter in seiner Gruppe Streit vermutet oder feststellt, sollte Ursachenforschung betrieben werden. Manchmal sind nur kleine, für Halter unbedeutende Veränderungen Auslöser für Unstimmigkeiten.

Mögliche Streitursachen

  • Auslauf
  • Neue Einrichtungsgegenstände
  • Zu große Behausung bei Gruppen von mehr als zwei Tieren
  • Zu große Gruppen
  • Ersetzen der kompletten Streu beim Reinigen der Behausung oder das Umsiedeln in eine andere Behausung
  • Schlecht sozialisierte Tiere, beispielsweise durch zu frühes Trennen von den Eltern
  • Ungünstige Gruppenkonstellationen und -zusammensetzungen, beispielsweise mehrere gleichaltrige Tiere
  • Kranke oder geschwächte Tiere, die ihre Stellung in der Gruppe nicht mehr behaupten können

Im Idealfall kann ein Streit durch die Vermeidung der Ursache so abgemildert werden, dass sich die Tiere wieder als Gruppe wahrnehmen können und eine Trennung somit vermieden wird.

Gruppen von zwei Rennmäusen

Was ist zu tun, wenn sich Rennmäuse gebissen haben?

Sollten sich die Rennmäuse schwere, blutende Verletzungen zugefügt haben, ist eine sofortige Trennung nötig. Die Tiere sollten zur Ruhe kommen dürfen und die Wunden versorgt werden. Je nach Ursache und Schwere der Verletzungen kann nach einer Ruhepause versucht werden, die Tiere wieder miteinander zu vergesellschaften. Oft ist es allerdings sinnvoll, jede Rennmaus durch die Vergesellschaftung mit einem neuen Partner eine weitere Gruppe bilden zu lassen.

Welche Maßnahmen sind bei ernsthaftem Streit zu ergreifen?

Wichtig ist in erster Linie: Ruhe bewahren. Haben sich die Rennmäuse noch nicht gebissen, sollten alle Einrichtungsgegenstände aus der Behausung entfernt werden. Auch eine Verkleinerung mittels Einzug eines passenden Brettes hilft, die Tiere zu beruhigen. In einem verkleinerten Aqua oder einer Transportbox sollten sich nur wenig Einstreu, Futter, Wasser und etwas Nistmaterial befinden, damit die Rennmäuse nicht voneinander abgelenkt werden, wodurch sich die Auseinandersetzung nur zeitlich verschieben würde.

Wie kann das Platzangebot verkleinert werden?

In einem Aquarium oder Terrarium lässt sich ohne viel Aufwand ein passend zugeschnittenes Brett einziehen, das nach Bedarf verschoben werden kann. Die Kippsicherheit kann durch einen Pflasterstein an jeder Seite gegeben werden.
Gitterkäfige lassen sich meist nur schwer verkleinern, aber auch hier kann mit ein bisschen handwerklichem Geschick eine geeignete Lösung gefunden werden.

Welche Schritte folgen auf die Verkleinerung des Platzangebots?

Wenn die Tiere auf kleinem Raum ohne Einrichtung wieder zueinander gefunden haben, in einem Nest schlafen, sich gegenseitig putzen und ruhig wirken, darf das Trennbrett um wenige Zentimeter verschoben und die damit zur Verfügung stehende Fläche vergrößert werden. Dies kann je nach Verhalten der Rennmäuse täglich erfolgen, so dass nach ein bis zwei Wochen die komplette Gehegegröße zur Verfügung steht. In dieser Zeit ist die Zugabe von Einrichtungsgegenständen nicht sinnvoll und wirkt sich negativ auf den Erfolg aus.

Nach einer Woche friedlichen Beisammenseins auf kompletter Fläche darf mit der Zugabe eines Einrichtungsgegenstandes begonnen werden. In dieser Phase ist es ratsam, die Tiere und deren Verhalten sehr gut zu beobachten. Bleiben sie friedlich, kann eine Woche später ein weiterer Einrichtungsgegenstand gegeben werden.

Sollten die Rennmäuse nach der Zugabe eines Gegenstandes wieder streiten, ist das Entfernen der zuletzt gegebenen Einrichtung ratsam. Bei genauem Beobachten und mit viel Glück kann so die Ursache des vorangegangenen Streits gefunden und entsprechend vermieden werden.

Wann ist eine endgültige Trennung unvermeidbar?

In vielen Fällen kann eine Verkleinerung des Platzangebots sowie die Herausnahme von Einrichtungsgegenständen Abhilfe schaffen und die Tiere beruhigen. Die genannten Methoden, den Gruppenfrieden wiederherzustellen, führen meist zu langfristigem Erfolg. Manche Gruppen streiten allerdings auch nach der langsamen Zugabe von Platz und/oder Einrichtungsgegenständen ohne klar erkennbaren Auslöser immer wieder. Bei solchen Gruppen ist es ratsam, die Tiere dauerhaft zu trennen und mit jeweils einem neuen Partner zu vergesellschaften.     

Gruppen von drei oder mehr Rennmäusen

In Großgruppen ab drei Rennmäusen wird es aufgrund der naturwidrigen Haltung früher oder später zu Auseinandersetzungen kommen. Daher empfiehlt sich die Haltung einer Großgruppe, wenn überhaupt, ausschließlich für rennmauserfahrene Halter. Eine Großgruppe benötigt besondere Aufmerksamkeit, eine gute Beobachtungsgabe und ausgezeichnete Verhaltenskenntnisse.

In Gruppen mit drei oder mehr Rennmäusen sind die Ursachen der möglichen Streitereien ähnlich derer für Gruppen mit zwei Tieren. Allerdings hat sich gezeigt, dass große Gruppen deutlich sensibler auf Veränderungen, beispielsweise Auslauf, reagieren. Daher ist ein solches Angebot stets mit Vorsicht zu genießen.

Meist zeigen Großgruppen ein ausgeprägteres Rangordnungsverhalten als Gruppen mit nur zwei Tieren. Dies ist durch die höhere Anzahl an erwachsenen  Gruppenmitgliedern und dem daraus entstehenden größeren Konfliktpotential normal, sollte allerdings in überschaubarem Rahmen bleiben. Auch hier liegt die Ursache in der oben angesprochenen naturwidrigen Haltung.

Was ist zu tun, wenn sich Rennmäuse in einer Großgruppe ernsthaft streiten?

Auch hier ist eine Verkleinerung durchaus sinnvoll, solange die Auseinandersetzung noch nicht zur Beißerei geführt hat.

Welche Vorgehensweise ist sinnvoll, wenn sich einzelne Tiere innerhalb einer Großgruppe gebissen haben?

Sollten sich zwei oder mehr Tiere innerhalb einer Großgruppe gebissen haben und andere Gruppenmitglieder offensichtlich unbeteiligt sein, ist es nicht mehr sinnvoll, die Gruppe in dieser Form weiter bestehen zu lassen. Eine Trennung ist unumgänglich und sollte, zum Schutz der Tiere, schnellstmöglichst erfolgen.

Welche Rennmaus hat eine blutige Auseinandersetzung begonnen?

Häufig wird ein Streit unter Rennmäusen erst bemerkt, wenn sie mit Verletzungen und blutverschmiertem Fell vorgefunden werden. Nun stellt sich die Frage, ob der Streit eventuell nur von einem oder mehreren Tieren ausgegangen ist. In einer Großgruppe ist dies besonders wichtig, da man womöglich durch Entfernen des Tieres, das den Kampf begonnen hat, die restliche Gruppe als Ganzes noch erhalten kann.

Dazu sollten die Tiere und ihre Verletzungen genau ansehen werden. Häufig weist das jagende Tier Bissverletzungen in der vorderen Körpergegend, in Gesicht und Hals auf. Gejagte Tiere dagegen haben meist  Bisse an Schwanz, Hinterteil und Hinterpfoten. Die verfolgende Rennmaus wird die Flüchtende sowohl am Schwanz als auch im Bereich der hinteren Körpergegend verletzen. Eine verfolgte und flüchtende Rennmaus wehrt sich mitunter und erreicht beim Umdrehen als erstes Gesicht und Hals des Verfolgers.

Dennoch heißt das nicht, dass nur die jagende Rennmaus Ursache des Kampfes ist. Häufig sind Auslöser innerhalb des Geheges oder des Gruppengefüges, die Streit hervorrufen.

Wie wird eine Großgruppe richtig getrennt?

Durch gute Beobachtung sollte der Halter in der Lage sein, die Tiere zu bestimmen, die sich angegriffen und eventuell verletzt haben. Bei einer Trennung empfiehlt es sich, ein am Streit beteiligtes Tier mit einem - je nach Gruppengröße - unbeteiligten Tier zusammen zu lassen, so dass keine Rennmaus die Gruppe alleine verlassen muss. An dieser Stelle kann keine allgemeingültige Lösung aufgezeigt werden. Es empfiehlt sich, bei der Zusammensetzung der neuen Gruppen darauf zu achten, welche Gruppenmitglieder einen besonderen Bezug zueinander haben, welche Alterskombination günstig und welche Kombination aufgrund der Rangfolge sinnvoll ist. Dazu sollte gegebenenfalls spezieller Rat im Forum eingeholt werden.

Was muss nach der Trennung einer Großgruppe beachtet werden?

Die Veränderung der Gruppenstruktur durch eine Trennung wird sich innerhalb der neu gebildeten Gruppen in Rangordnungsauseinandersetzungen äußern, die wichtig und zu dulden sind, solange sie in normalem Rahmen ausgetragen werden. Manchmal empfiehlt es sich, das Platzangebot zunächst zu verkleinern, damit die Tiere leichter zueinander finden und sich als neue Gruppe wahrnehmen können.
Nachdem sich die Tiere beruhigt haben, ist eine langsame Vergrößerung des Platzangebotes wie bei einer Neuvergesellschaftung sinnvoll.

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