Alle anderen Typen sind sehr selten. Da eine Behandlung bei Rennmäusen nicht typspezifisch erfolgen kann, verzichten wir auf weitere Ausführungen.
Unterscheidung Typ I und Typ II
Am Typ I erkrankte Rennmäuse sind bereits als junge Tiere betroffen, hier liegt eine Autoimmunerkrankung vor, d.h. die Immunabwehr greift irrtümlicherweise die Insulin produzierenden Zellen an und tötet diese ab. Die Folge ist ein absoluter Insulinmangel. Absoluter Insulinmangel führt zu einem immens hohen Blutzuckerspiegel und durch hier nicht näher erläuterte Körperreaktionen einem recht schnellen Flüssigkeitsverlust und dem vermutlich schnellen Tod.
Typ II wird, wie beim Menschen auch, meist durch Übergewicht und Bewegungsmangel verursacht, was wiederum die Wirksamkeit des Insulins im Körper herabsetzt. Hier kann die Bauchspeicheldrüse die nötige Menge Insulin nicht mehr produzieren, es liegt ein relativer Insulinmangel vor. An Typ II erkrankte Rennmäuse kann durch Ernährungsumstellung und Bewegungsangebot ein weitgehend normales Leben ermöglicht werden. Ziel ist, den Blutzuckerspiegel, der nicht gemessen werden kann, so niedrig zu halten, dass das Tier trotz seiner Erkrankung ein hohes Alter erreichen kann.
Die Symptomatik der beiden Krankheitsbilder ähnelt sich, allerdings verläuft Diabetes Typ II "milder", da die Bauchspeicheldrüse im Anfangsstadium noch eingeschränkt Insulin produziert. Ein bereits weit fortgeschrittener Typ II ohne vorherige Therapie und Nahrungsanpassung führt ebenfalls wie ein Typ I aufgrund von absolutem Insulinmangel zum schnellen Tod.
- An dieser Stelle möchten wir darauf hinweisen, dass es nicht möglich ist, Rennmäusen Insulin zu verabreichen und somit einen eventuellen Mangel dieses Hormons auszugleichen. Auch kann der vorliegende Diabetes-Typ nur vermutet und nicht wie beim Menschen nachgewiesen werden. Daher ist es eher unwichtig, an welchem Diabetes-Typ eine Rennmaus erkrankt, wichtig ist bei beiden Typen eine gleichermaßen angepasste Ernährung.
Diabetes erkennen
Die ersten Symptome sind anfangs schwer zu erkennen. Meist kann zuerst vermehrte und auffällig hohe Flüssigkeitsaufnahme und entsprechend häufiges Urinlassen beobachtet werden. Auch eine sehr rasche Abmagerung ist bei Typ I möglich. Zudem kann im fortgeschrittenen Stadium ein Katarakt, die Eintrübung der Linse des Auges, beobachtet werden.
Allein über die reine Symptomatik Diabetes zu diagnostizieren, ist nicht möglich. Besteht ein Verdacht auf Diabetes, sollte ein Tierarzt konsultiert werden.
In besonders warmen Jahreszeiten ist ein Aktivitätsmangel oder eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme kein Anzeichen für Diabetes!
Aufgrund der Verwechslungsgefahr mit möglicherweise behandelbaren Nierenerkrankungen sollte anhand eines Zuckernachweises im Urin oder Blut des Tieres eindeutig Diabetes nachgewiesen werden. Für ein geschultes Auge ist es möglich, ausgeschiedene Kristalle unter dem Mikroskop zu untersuchen und eine Unterscheidung zwischen Salz- und Zuckerkristallen vorzunehmen. Zuckerkristalle im Urin begründen die Diagnose Diabetes mellitus eindeutig. Allerdings kann auch ein fachkundiger Tierarzt nach sicherer Diagnose das Tier kaum therapieren.
Folgen des Diabetes
Eine Therapie durch Insulinverabreichung wie vom Menschen bekannt ist schlichtweg nicht möglich. Daher sollte auf Spätfolgen, die durch Diabetes verursacht wurden, geachtet werden, um unnötiges Leiden des Tieres zu vermeiden. Durch den erhöhten Blutzuckergehalt werden die Blutgefäße des Körpers beschädigt, wodurch Durchblutungsstörungen begünstigt werden, was sich auf verschiedene Organe unterschiedlich auswirkt. So können Schäden an der Netzhaut der Augen auftreten, die ein Erblinden zur Folge haben. Weitere Folgeschäden können eine Störung der Nierenfunktion, sowie schlecht heilende Wunden sein.
Diabetes behandeln
Diabetes kann bei Rennmäusen nicht behandelt werden. Es ist aber durchaus möglich, das erkrankte Tier durch kohlehydratarme Nahrung vor einer massiven Erhöhung des Blutzuckerspiegels zu schützen, indem eine Einstellung oder Änderung der Obst- und Gemüsefütterung erfolgt.
Ernährung von an Diabetes erkrankten Rennmäusen
Eine Radikaldiät sollte nicht vorgenommen werden, da dies zu Lasten des gesunden Artgenossen geht. Grundsätzlich muss Obst und sehr zuckerhaltiges Gemüse vom Speiseplan der gesamten Gruppe gestrichen werden, um die Krankheit nicht zu verschlimmern. Oft erreichen an Diabetes Typ II leidende Tiere bei entsprechender Ernährung trotz ihrer Erkrankung ein hohes Alter.
Gemüsesorten mit hohem Kohlehydratgehalt
Die folgenden Gemüsesorten eignen sich nicht für die Verfütterung an Rennmäusen mit oder mit Verdacht auf Diabetes:
Gemüsesorte | Kohlehydratgehalt auf 200g Gemüse |
Erbsen | 21g |
Mais | 31g |
Karotte | 10g |
Paprika, rot | 12g |
Pastinake | 24g |
Gemüsesorten mit akzeptablem Kohlehydratgehalt
Die folgenden Gemüsesorten sind für die Verfütterung an Rennmäuse mit oder mit Verdacht auf Diabetes und deren Gruppenmitgleider geeignet:
Gemüsesorte | Kohlehydratgehalt auf 200g Gemüse |
Brokkoli | 5g |
Brennessel, 100g | 1g |
Chinakohl | 2g |
Feldsalat | 2g |
Fenchel | 8g |
Gurke | 5g |
Kohlrabi | 8g |
Kräuter | 0g |
Paprika, grün | 6g |
Rucola | 1g |
Tomate | 6g |
Zucchini | 4g |
Auswirkungen auf die Rennmausgruppe
Diabetes ist nicht ansteckend. Es handelt sich je nach Typ der Erkrankung um entweder eine Autoimmunerkrankung (Typ I) oder die Folge von Übergewicht und Bewegungsmangel (Typ II).
Andere Gruppenmitglieder sind somit aufgrund einer diagnostizierten Diabetesrennnmaus nicht gefährdet. Dennoch werden auch gesunde Gruppenmitglieder ebenfalls eine Ernährungsumstellung mitmachen müssen, da es nicht möglich ist, dem erkrankten Tier innerhalb einer Gruppe bestimmte Futtersorten vorzuenthalten. Allerdings können auch gesunde Rennmäuse ohne eine Mangelversorgung befürchten zu müssen, ebenfalls kohlehydratarme Gemüsesorten und sehr zuckerarme andere Futtersorten zu sich nehmen (keine Knabberstangen, keine Drops etc.). Eine ausreichende Versorgung mit allen nötigen Inhaltsstoffen wird durch eine ausgewogene Ernährung, für die der Diabetes kein Hindernis darstellt, gewährleistet.
Eine Ernährung die auf einen Diabetes abgestimmt ist, ist aufgrund des geringen Kohlehydratgehalts (auch Zucker sind Kohlehydrate!) die denkbar gesündeste Ernährung für alle Rennmäuse, ob gesund oder erkrankt ist nicht von Bedeutung. Das gilt sowohl für Rennmäuse als auch den Menschen. Leider können Rennmäuse nicht mit Insulininjektionen behandelt werden, so dass Tiere mit Typ I vermutlich kurz nach der Diagnose an Übersäuerung des Blutes und damit verbundener Austrocknung versterben werden.

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