Medikamente niemals ohne Rücksprache mit einem Tierarzt anwenden! Gefahren: ungeeignete Dosierung, Wechselwirkung mit anderen Medikamenten, unpassende Medikamente aufgrund falscher Diagnose etc.!
Zunächst sollte vorab überlegt werden, welche Medikation verabreicht werden muss und welche Utensilien gegebenenfalls benötigt werden. Es ist sinnvoll, alles bereit zu legen, bevor die Rennmaus aus der Unterkunft genommen wird, damit die Behandlung schnell beendet ist und das kranke Tier nicht unnötig lange gestresst werden muss. Je nach Verhalten der Rennmaus kann die Unterstützung einer zweiten Person nötig sein. Am sichersten ist, wenn eine Person das Tier möglichst aufrecht festhält und die andere das Medikament verabreicht, damit sich jeder auf seine Aufgabe konzentrieren kann und die Rennmaus nicht von angespannten Händen gequetscht und somit noch größerem Stress ausgesetzt wird.
Medikamente sollten nie von Kindern verabreicht werden!
Richtiges Dosieren
Tierärzte werden dem Halter meist nur die Menge Medikamente überlassen, die das Tier benötigt. Dies ist grundsätzlich richtig, kann allerdings dazu führen, dass das zu behandelnde Tier durch unzureichende Kooperation und Verschütten zu geringe oder auch durch eine meist komplizierte Handhabung sehr kleiner Spritzen zu hohe Dosen aufnimmt.
Falls der Tierarzt nur eine Spritze mit der Gesamtdosis des zu verabreichenden Medikaments aufgezogen hat, sollte niemals versucht werden, eine Teilmenge in das kleine Maul zu träufeln - dies ist aufgrund einer möglichen Überdosierung gefährlich und geht meist schief: Es werden Medikamente verschwendet, was dazu führt, dass dem kranken Tier über die gesamte Behandlungsdauer vermutlich nicht die benötigte Gesamtdosis verabreicht werden kann. Abhilfe schafft hier ein Teelöffel: Die benötigte Menge wird auf einen Teelöffel gespritzt und mit einer anderen Spritze wieder aufgezogen. So kann eine Überdosierung vermieden werden.
Vielleicht erklärt sich der Tierarzt bereit, einige gefüllte Spritzen zusätzlich mitzugeben, damit eine vollständige Aufnahme der benötigten Medikamente gewährleistet werden kann.
Wegen Verschluckungsgefahr ist das Halten der Rennmaus in Rückenlage während der Medikamentengabe nicht geeignet.
Nachfolgend ein Überblick über die verschiedenen Medikamentenarten und möglichen Verabreichungsmethoden:
Pulver
Sofern das Pulver keinen üblen Geschmack hat (beim Tierarzt erfragen!), kann es im Trinkwasser aufgelöst werden. Das funktioniert jedoch nur, wenn die Wasserquelle auch oft in Anspruch genommen wird. Um dies zu gewährleisten, empfiehlt es sich, Frischfutter für die Zeit der Medikamentengabe aus dem Speiseplan zu streichen. Die Methode entfällt nicht unbedingt, wenn das Wasser auch von anderen Rennmäusen genutzt wird. Es gilt im Einzelfall mit dem Tierarzt abzuklären, ob das Medikament für gesunde Tiere schädlich sein kann. Wenn keine Gefahr für gesunde Tiere besteht, ist auch die Trennung des kranken Tieres von der Gruppe bzw. vom Partner eher kontraproduktiv und nicht zu empfehlen.
Die Trinkwasser-Methode ist nur dann sinnvoll, wenn die Rennmaus nicht zwingend die ganze Menge des Pulvers zu einer bestimmten Zeit einnehmen muss. Es gibt hierbei keine Möglichkeit zu kontrollieren, wie viel und wann die kranke Maus von dem Wasser getrunken hat.
Wenn das Tier Frischfutter fressen darf, ist es eine gute Alternative, das Pulver auf ein Stück Gurke zu streuen und der Maus anzubieten. Hierbei muss das Tier unter Umständen kurz separiert werden, um sicher zu gehen, dass alles aufgenommen wurde.
Bei übelschmeckendem/-riechendem Pulver wird die Rennmaus das präparierte Wasser/Futter meiden, was die zwangsweise Verabreichung nötig macht. Es empfiehlt sich, das Pulver in einer möglichst geringen Menge Wasser aufzulösen und mit einer Einwegspritze (ohne Nadel/Kanüle!) direkt ins Maul zu tropfen. Je mehr Wasser, desto länger muss die Maus festgehalten werden und desto mehr kann daneben gehen. Bitte nur ganz kleine Schübe spritzen, damit die Maus sich nicht verschluckt und die dünne Öffnung der Spritze nicht zu weit ins Maul einführen – Verletzungsgefahr!
Niemals eine Spritze mit Nadel/Kanüle benutzen! Wegen Verschluckungsgefahr immer nur ganz kleine Schübe ins Maul träufeln!
Das Verabreichen von flüssigen Medikamenten erfordert etwas Übung und eine ruhige Hand. Deshalb ist ein Versuch zu zweit – wie oben beschrieben – ratsam. Auch der Tierarzt wird die Technik vorab zeigen können.
Tabletten
Tabletten können meist nicht im Ganzen gegeben werden – dazu müssten sie schon sehr winzig sein oder hervorragend schmecken. Stattdessen ist es aber oft möglich, die Tablette in Wasser aufzulösen und per Einwegspritze (ohne Nadel/Kanüle!) ins Maul zu träufeln. Das Zerstoßen zu Pulver oder kleinen Bröckchen ist eine weitere Alternative.
Tropfen / Flüssigkeit
Flüssige Medizin enthält oft Alkohol (auch Tiermedikamente!), um das Mittel haltbar zu machen und den Wirkstoff zu lösen. Das macht die Flüssigkeit für die Tiere ungenießbar und schließt die freiwillige Aufnahme nahezu aus. Ein cleverer Trick ist, die Tropfen in ein saugfähiges Leckerchen zu träufeln, das die Rennmaus gewöhnlich unwiderstehlich findet, beispielsweise Zwieback oder Knäckebrot.
Sollte das nicht möglich sein, müssen die Tropfen zwangsweise durch Einträufeln ins Maul verabreicht werden (wie bereits oben beschrieben mit einer Einwegspritze ohne Nadel/Kanüle).
Globuli
Globuli, insbesondere Bachblüten-Globuli, haben oft einen süßlichen Geschmack und werden daher manchmal freiwillig aufgenommen.
Sollte die Rennmaus dazu nicht bereit sein, ist auch hier das Auflösen in Wasser eine gute Alternative. Von etwaigen Versuche, die Kügelchen dem Tier direkt ins Maul zu drücken, ist wegen des hohen Verletzungsrisikos abzuraten!

Mein Account