Rennmäuse verbringen den Großteil ihres Tagesablaufes mit der Futtersuche. Der einmal täglich aufgefüllte Futternapf ist somit unnatürlich und führt dauerhaft zu Langeweile. Die Tiere haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang, der sie bei der Futtersuche sehr unterstützt. Bei vielen Rennmäusen sind bewegungsstereotype Verhaltensweisen (beispielsweise stundenlanges Scharren) feststellbar. Dem kann durch einen artgerechten futternapffreien Speiseplan entgegengewirkt werden.
Der Stoffwechsel der Rennmaus ist auf energiearmes Futter ausgerichtet. Der Speiseplan der als Haustiere gehaltenen Rennmäuse sollte sich nicht wesentlich von dem unterscheiden, der ihnen die Natur bieten würde. Die Tiere werden aufgrund des geringeren Bewegungsangebotes und der oft viel zu fettreichen Ernährung unbeweglicher und auch krankheitsanfälliger als ihre wohlproportionierten Artgenossen.
Daher können so genannte Leckerlis komplett vom Speiseplan verbannt werden. Neben zu viel Fett enthalten diese auch sehr oft Zucker.
Meist werden rennmausungeeignete Fertigfuttermischungen für Hamster oder andere Kleinnager gefüttert. Viele dieser im Handel fertig angebotenen Mischungen enthalten versteckte Dickmacher, beispielsweise Sonnenblumenkerne, Erdnüsse oder Johannisbrot.
Rennmaus ist nicht gleich Rennmaus
Rennmäuse haben unterschiedliche Energiebedürfnisse. Es ist durchaus möglich, dass eine Rennmaus bei absolut gleicher Haltung und Fütterung schneller an Gewicht zunimmt als eine ihrer Artgenossen. Die hier genannten Futtermengen können daher nur grobe Richtwerte sein und sollten auf jede Rennmaus individuell abgestimmt werden, ebenso der Flüssigkeitsbedarf.
Hier wird ein artgerechtes Futterkonzept vorgestellt, das aus folgenden Bestandteilen zusammengestellt werden sollte.
- Körnerfutter
- Frischfutter
- Raufutter
- Tierisches Eiweiß
- Wasser
- Erlebnisfutter
- Leckerlis
- Sonstiges
Bestandteile des Rennmausfutters
Körnerfutter
Der Hauptbestandteil des Rennmausfutters sollte eine Mischung aus verschiedenen Sämereien sein, die entweder als Fertigmischung erworben oder selbst zusammengesetzt wird. Durch die Mischung des Fertigfutters mit einem Vogelfutter für Sittiche sollte jede handelsübliche Fertigfuttermischung sinnvoll aufgewertet werden.
Eine fettarme Körnerfuttermischung besteht aus folgenden Inhaltsstoffen und kann selbst gemischt werden:
- 50% Wellensittichfutter
- 20 % Kanarienfutter
- 30 % Grassamen
Diese Mischung ist für „normale“ Rennmäuse geeignet, trächtige oder säugende Tiere haben einen minimal veränderten Bedarf und sollten proteinhaltiger ernährt werden. Das Körnerfutter kann direkt in die Einstreu gegeben werden und sorgt so für eine artgerechte Nahrungssuche.
Frischfutter
Gemüse sollte aufgrund der darin enthaltenen Feuchtigkeit sowie Vitaminen und Mineralien täglich auf dem Speiseplan der Rennmäuse vorhanden sein.
Obst darf wegen eventuell auftretender Verdauungsstörungen durch die darin enthaltene Fruchtsäure nur sehr sparsam verfüttert werden.
Die Futterliste gibt Aufschluss über die empfehlenswerten und weniger geeigneten, sowie giftigen Obst- und Gemüsesorten.
Rennmäuse, die an einer Durchfallerkrankung leiden, sollten kein Frischfutter angeboten bekommen. Auch sollte das Frischfutter im Aquarium/Terrarium so angebracht werden, dass die Rennmäuse es nicht verscharren oder verstecken können. Zur Vermeidung von unbemerkter Schimmelbildung bietet sich für die Saftfuttergabe ein so genannter Futterspieß an.
Sonstiges Grünfutter
Neben frischen oder getrockneten Kräutern sind bei Rennmäusen auch Zweige als vitaminreiche Beikost empfehlenswert. Der gesäuberte Zweig mit Blättern, Knospen und/oder Blüten sollte jedoch nur von Obstgehölzen (kein Steinobst), Weide, Birke oder Haselnuss angeboten werden, andere Baumsorten können giftig sein.
Als weiteres Grünfutter und gesunde Leckerlis bieten sich von unbelasteten Grünflächen gesammelte Gänseblümchen sowie junge Löwenzahnblätter als auch Vogelmiere an.
Tierisches Eiweiß
In ihrem natürlichen Lebensraum findet die Rennmaus neben Sämereien auch Insekten oder deren Larven.
Es ist nicht jedermanns Sache, seinen Rennmäusen tierisches Protein in Form von Lebendfutter wie Mehlwürmer oder Heimchen anzubieten. Diese Proteinlieferanten sollten nur aus der Hand oder mit einer Pinzette gefüttert werden, um ein Verschwinden im Aquarium/Terrarium zu vermeiden.
Es gibt weniger geeignete Ausweichmöglichkeiten, die ebenfalls den Bedarf an tierischem Eiweiß decken. Dazu zählen ungesüßter Joghurt, Hüttenkäse oder Quark sowie gekochtes Eiweiß.
- Hinweis: Milchprodukte, dabei ist es egal, von welchem Tier sie stammen, enthalten Laktose, es sei denn, es werden laut Deklaration laktosefreie Produkte gewählt. Rennmäuse können, wie der Großteil der Säugetiere inklusive des Menschen, eine Laktose-Intoleranz entwickeln. Nach der Säugezeit kann die Bildung des Enzyms Laktase eingestellt werden, das für die Spaltung des Milchzuckers im Dünndarm sorgt. Wird der Milchzucker nicht gespalten, erreicht er den Dickdarm und sorgt dort für die Entstehung von Gasen. Dies führt zu Symptomen wie Bauchkrämpfen, Blähungen und Durchfall.
Aufgrund der genannten Unverträglichkeit sind andere Eiweißquellen (Mehlwürmer, Insekten) grundsätzlich vorzuziehen. Sollten dennoch Milchprodukte verfüttert werden, ist auf eine sehr geringe Menge zu achten, maximal ein Viertel eines gestrichenen Teelöffels. Der Halter wird keine Bauchkrämpfe und Blähungen bei seiner Maus feststellen können, zu Durchfall kommt es meist erst beim Verzehr von größeren Mengen. Er wird somit getäuscht und meint, Milchprodukte bereiten keine Probleme.
Trächtige oder säugende Rennmausmütter haben einen erhöhten Eiweißbedarf, der täglich durch eine kleine Portion gedeckt werden sollte.
Wasser
Eine Tränke ist unbedingt zu empfehlen, obwohl oft angenommen wird, dass Rennmäuse aufgrund ihres natürlichen Lebensraumes einen nur sehr geringen Flüssigkeitsbedarf haben. Idealerweise wird in das Aquarium/Terrarium eine stets mit frischem Leitungswasser aufgefüllte Nippeltränke gehängt. Es haben sich verschiedene Möglichkeiten der Befestigung bewährt, beispielsweise mit einem Saugnapf oder selbstklebendem Klettband.
Der Zusatz von Vitaminpräparaten sollte nur dann erfolgen, wenn dies vom Tierarzt ausdrücklich empfohlen wird. Gesunde Tiere erhalten durch eine abwechslungsreiche Ernährung ausreichend Vitamine und Mineralien.
Erlebnisfutter
Eine der liebsten Beschäftigungen der Rennmäuse ist Nagen. In ihrer natürlichen Umgebung sind sie fast ausschließlich mit der Nahrungssuche beschäftigt. Diese zeitaufwendige Beschäftigung fehlt den als Heimtieren gehaltenen Rennmäusen und sollte von jedem Halter durch das Anbieten von so genanntem Erlebnisfutter ausgeglichen werden.
Einige sehr sinnvolle und ohne viel Aufwand herzustellende Beschäftigungsideen können in der Rubrik Tooltime sowie im Forum nachgelesen werden.
Leckerlis

Jede Art von Leckerlis, beispielsweise Sonnenblumenkerne, Erdnüsse oder handelsübliche Produkte sollten, wenn überhaupt, wegen ihres hohen Energiegehaltes nur in sehr kleinen Mengen verfüttert werden.
Sonstiges
Salzlecksteine - Kalksteine - Vitamine
Die im Zoofachhandel angebotenen Ergänzungsfuttermittel, beispielsweise Salzlecksteine, Kalksteine oder Vitaminpräparate zum Eingeben in das Trinkwasser sind bei artgerechter Ernährung nicht nötig und mitunter durch eine Überversorgung an Salzen und Kalzium sogar gesundheitsgefährdend. Die Gabe von Salz- oder Kalksteinen sollte auf individuelle äußere Einflüsse, beispielsweise erhöhtem Salzbedarf im Sommer, abgestimmt werden.
Im Krankheitsfall ist es durchaus möglich, dass der Tierarzt die Gabe von Vitaminen oder Mineralien empfiehlt. Die Dosierung der Vitamingabe sollte mit dem Tierarzt abgestimmt werden.

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