230g Igel im Garten Ende Oktober

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    • Hallo zusammen,

      als erstes ein wichtiges pdf zur Info: igelschutz-ev.de/info/erste_hilfe.pdf, ganz wichtig: Keine Milch! Milch ist der sichere Tod eines eh schon geschwächten Tieres!

      Ich finde es ganz toll, dass ihr geschwächte Tiere aufnehmt, denn ein Igel macht recht viel Arbeit, eine Menge Müll und nachts Krach wie sonst was :D für die nächsten 6 Monate. Trotzdem freue ich mich über jeden erfolgreich ausgewilderten Igel. Trotz aller Bemühungen sind einige Regeln wichtig, so dass die Tiere den Winter in eurer Obhut auch gut überstehen und als starke und gesunde Tiere ausgewildert werden können, bitte niemals Igel auf eigene Faust überwintern wollen, immer nur mit Unterstützung und Rufbereitschaft einer Igelstation oder Igelinteressengemeinschaft e.V..

      Ich war 19 Jahre Pflegestelle einer Igelstation und habe bis 2009 insgesamt 36 Igel lebend überwintert, manche mit kontrolliertem Winterschlaf, andere ohne, da zu klein, die nächsten erst ab Februar, sofern sie mindestens die 700g erreicht hatten. Und wenn Winterschlaf, dann auch nur kontrolliert. 2 Tiere sind mir leider verstorben, aber ein 90g Jungigel Anfang Dezember, der voll mit Würmern und anderem Getier bei mir ankam, hab ich trotzdem mit toller Hilfe einer Igelschutzinteressengemeinschaft und mitten-in-der-Nacht-anti-Parasiten-Einsatz durchbekommen und mit über 800g ausgewildert, was mich damals sehr berührt hat.

      Bitte geht, wenn es irgendwie möglich ist, nicht zu einem Tierarzt, der sich mit Wildtieren nicht auskennt (nachfragen!). (Überlebens-)wichtig für junge, zu schwache oder vermutlich kranke (sonst würde man sie nicht finden ;) ) Igel ist eine Parasitenentfernung, dazu zählen sowohl Würmer, Lungenwürmer (die wieder anders behandelt werden als andere Parasiten), als auch andere innere Parasiten, sowie Milben, Flöhe und Zecken. Ein parasitärer Igel wird niemals von einer Igelstation in private Obhut gegeben, es sei denn, man kennt sich wirklich gut aus mit der Pflege der Tiere und kann dies auch nachweisen!

      Igel, die eine wirklich gute Chance haben, im Keller oder einer Gartenlaube kontrolliert und versorgt zu überwintern (damit meine ich nicht den Winterschlaf!), werden gerne auch an Anfängerpflegestellen gegeben. Diese Igel sind grundsätzlich frei von Parasiten und fressen gut, so dass keine gesundheitlichen Probleme zu erwarten sind.

      Igelstationen findet ihr hier: pro-igel.de/igel-links/adressen.html oder beim Tierarzt anfragen, die haben meist auch eine Adresse der nächsten Igelstation.

      Das Ganze in halbwegs kurz:

      • findet ihr bereits eingerollte Igel mitten auf dem Weg/auf Wiesen (am hellichten Tag): Niemals selbst versuchen, auszurollen, wenn ihr nicht wisst, wie es geht! Hier können fiese Maden im Bauchraum oder andere Parasiten vorhanden sein, daher sofort zu einer Igelstation. Die Igelstation wird das Tier entrollen und schauen, ob es noch sinnvoll ist, das Tier zu behandeln. Dauerhaft eingerollte Igel sind immer ein Hinweis auf größere Probleme, daher ist hier schnelle Hilfe bzw. eine schnelle Erlösung nötig.(Und ja, natürlich rollt sich der Igel ein, wenn man ihn hochnimmt, findet man ihn aber schon eingerollt, ist das eine andere Ausgangssituation!)
      • Findet ihr relativ aktive Igel unter folgenden Gewichtsangaben: igelschutz-ev.de/info/gewicht_hilfsbeduerftigkeit.pdf : Mitnehmen, in eine Kiste setzen, Handtücher rein und wenn die Tiere kälter sind als eure Hände, bitte zusätzlich eine Wärmflasche hinzu. Dann grundsätzlich Kontaktaufnahme zu einer Igelstation oder einem TA/Klinik zur Kotuntersuchung (ganz wichtig!) und Entwurmung sowie Entfernung aller äußeren Parasiten. In der Zwischenzeit könnt ihr ihm Rührei (ohne Milch oder Gewürze) anbieten. Katzenfutter geht auch, aber Katzenfutter lässt Igel fürchterlich stinken
        ...
      Wenn die Gesundheit des Tieres durch einen TA, eine Tierklinik oder eine Igelstation als prima eingestuft wurde, er parasitenfrei ist und zu euch nach Hause darf, könnt ihr euch hier zusätzliche Informationen holen:

      • Essensplan (Menu1 ist super für die Vorratshaltung, das kocht man einmal und hat lange was davon und ist auch noch gesund (und der Kot stinkt nicht so)!): igelschutz-ev.de/info/futterrezepte.pdf
      • Unterbringung zu Hause: igelschutz-ev.de/hilfe/hilfe.htm, täglich saubermachen, alle Freunde/Nachbarn zum Tageszeitung sammeln aktivieren, ihr werdet es brauchen... ein Häuschen ist ganz wichtig für den Igel, gerne hier aus Hygienegründen ein Kopierpapierkarton (der hat eine schöne Größe oder als Alternative ein großer, hoher Schuhkarton) mit einem Eingang, der mit Zewa und geschreddertem Papier ausgestattet wird; Auswechslung des gesamten Hauses alle 2 Monate, bei Verschmutzung früher, beim Winterschlaf, falls er verspätet stattfindet, gar nicht.
      Ich glaub, das reicht fürs Erste :whistling:

      Liebe Grüße,
      Tanja
    • Danke Caramella für deine ausführlichen Informationen.
      Wo ich das jetzt so lese, bin ich der Meinung, dass ich dem Igel nicht gerecht werden kann. Mit rein nehmen geht nicht und in meinem Gartenhäuschen kann ich nur 1,5m² Platz bieten Füttern ist kein zwar kein Problem da "mein" Igel quietsch fidel ist.
      Mein Igel wiegt ca. 350g und er ist auf Sreu, Heu und Stroh gebettet. Muss ich den kleinen jetzt auf Zeitung umsetzten oder spielt das keine Rolle. Hab das so gemacht weil es ja auch einfach Wärme bietet.
      Das einzige was ich gefunden habe in meiner Nähe ist dieses hier wildtierstation-rastede.de/
      Meinst du ich könnte da mal anrufen und Fragen ob die meinen Igel aufnehmen würden? Und was ist wenn jetzt noch mehr kleine Igel bei mir auftauchen.... ?
      Die kommen alles zu uns weil die das Futter von unserer darußen lebenden Katze riechen. Ich kann jetzt schlecht so viele Igel einfangen und alle dort hinbringen oder?

    • Hallo Jacky,

      nein, du kannst nicht Igelsammlerin werden. Wenn dir aber ein vermutlich viel zu kleines Tier über den Weg läuft (sei es weil es erst im August/September geboren wurde und als Jungigel nun zu wenig auf den Rippen hat, um in Winterschlaf gehen zu können, weil ja kein Futter mehr verfügbar ist (aus einem anderen Grund macht kein Igel einen Winterschlaf) oder es sich um ein ausgewachsenes und einfach "nur" geschwächtes Tier durch beispielsweise übermäßigen Parasitenbefall und damit verbundene Abmagerung handelt), würde ich ihn mitnehmen und ihm zumindest eine Überlebenschance geben, indem man ihn in igelerfahrene Hände abgibt, wenn man sich nicht selbst kümmern kann oder möchte.

      Wichtig ist, wie oben geschrieben, immer eine Wurmkur und die Entfernung aller anderer Parasiten, innen und außen. Man kann durchaus kleine Igel parasitenfrei recht schnell hochfüttern, so dass sie dann im Januar/Februar in kontrollierten Winterschlaf gehen können, mit dem man ja dann gar keine Arbeit mehr hat. Die Aufpäppelzeit benötigt schon ein bisschen Aufwand, gerade das tägliche Saubermachen ist wichtig, daher Zeitungspapier, dass sie sich an Kotresten nicht wieder irgendwas einfangen (und es riecht auch einfach unangenehm ;) ).

      Eine Wildtierstation wird dir sicher weiterhelfen können.

      Bei zu schwachen Jungtieren, die den Winter ohne ausreichende Ernährung nicht überleben würden, steht immer die Entfernung der Parasiten an allererster Stelle. Daher schrieb ich oben an alle, die hier lesen: Bitte grundsätzlich entwurmen lassen (auch nach Lungenwürmern fahnden!), danach kann man aufpäppeln. Ein auf eigene Faust versuchter Päppelversuch bringt einem parasitengeschwächten Tier nichts außer einem relativ langen Leidensweg.

      Gruß,
      Tanja

    • habe heute bei der Wildtierstation angerufen und ich muss sagen ich bin empört!

      die Frauam telefon war 1. total undfreundlich und 2. keine Hilfe.

      Habe dort halt angerufen und gefragt ob sie auch kleine Igel nehmen, die den Winter nicht überstehen würden. Darauhin antwortete sie das sie nur verletzte Tiere aufnehmen. Da sagte ich das die beiden nur 300 gramm wiegen. Sie meinte nur, dass wir ja noch keinen Winter haben und man sollte die Igel einfach sich selber überlassen... entweder sie überstehen den Winter oder eben nicht... ehm bitte? ich dachte man soll den kleinen Wesen helfen?! Dann habe ich nur gesagt, gut dann kümmer ichmich halt selber und habe aufgelegt. Die Frau war total patzig. was soll sowas, sie hätte doch auch einfach ganz normalsagen können das sie moentan keine Tiere aufnehmen können und hätte mir vernünftige Tips geben können wie ich die Igel richtig versorge etc.
      GSD habe ich schon gute Tips von euch bekommen!

      LG die etwas empörte Jacky :cursing:

    • Hallo Jacky,

      sie konnte dir keine weitere Adresse nennen, an die du dich wenden kannst?
      Gut, also nicht gut, aber dann Plan B: Tierarzt. Wie gesagt: Entwurmen ist ganz ganz wichtig, alles weitere ergibt sich vielleicht beim Tierarzt. Übrigens: Wildtierbehandlungen darf der TA nicht abrechnen, du musst also nichts bezahlen, bitte aber vor der Behandlung nochmal explizit nachhaken.
      Wenn Tierarzt nicht weiterhelfen kann: Die nächste Tierklinik anrufen, wenn hier keine Hilfe: Den nächsten Zoo/Fauna sonstwas anrufen. Wenn dann immer noch keiner hilft, geh zur Tageszeitung ;)

      Liebe Grüße,
      Tanja

    • Ich halte 350g für Anfang November für zu leicht und würde einen solches Tier nicht unkontrolliert draußen lassen. Vielleicht bekommt ihr ja auch raus, warum er so leicht ist: Ist es ein erwachsenes, aber geschwächtes Tier (durch Parasiten?) oder ist es ein Jungigel, der einfach noch nicht ausreichend Zeit hatte, um ordentlich was anzufuttern? Das Wetter macht es uns ja dieses Jahr auch nicht einfach: Es ist viel zu warm, wobei das für geschwächte oder junge Tiere eine gute Möglichkeit ist, noch vor der Kälte etwas mehr zuzulegen. Bei 500g und einer guten, unauffälligen Aktivität würde ich auch überlegen, ihn unter Zufütterung draußen zu lassen, aber 350g sind mir zu leicht für einen bald einsetzenden Winter/Kälte und somit kein Futter.

      Berichte mal weiter, ich bin gespannt und drücke alle Daumen.

      Liebe Grüße,
      Tanja