Parasitenbefall? Allgemeiner Diskussions Thread von Milben und Co. bei Rennmäuse

    • Ich kann mir jetzt nicht vorstellen das man sich ständig immer wieder Milben einschleppt - zumal ich das Heu nicht unbedingt für immer Schuld halte. Dann wären denke ich auch die Threads und Erfahrungen noch zahlreicher. Ich hatte ja auch fast 10 Jahre Renner und nur 1mal Milben als die Tiere extern zu einer Betreuung waren wo augenscheinlich deren neu gekaufte Tiere befallen waren.

      Sicher wäre es aber mal interessant zu wissen was ist wenn man eben größere Räume hat, sich der Befall schon ausgebreitet hat und ob die Raubmilben wirklich ab Tag 1 schon "arbeiten".

    • Also bei der von ub verlinkten Seite wird aber auch extra darauf hingewiesen (hast du ja selbst zitiert Rennieliese), dass die Raubmilben eher vorbeugende Wirkung haben, da sie langsam wirken und man bei starkem/akutem Befall mit dem Tierarzt Rücksprache halten sollte, da ein Behandlungserfolg mit Raubmilben ausbleiben kann bei zu starkem Befall.

      An sich finde ich die Idee super und wird ja im Bereich Pflanzenschutz schon länger erfolgreich praktiziert. Allerdings würde bei mir auch eher die Chemiekeule zum Einsatz kommen, wenn meine Tiere (und ich vielleicht auch) so stark befallen sind, dass es schon überall blutige Stellen gibt und juckt. :S Da würde ich persönlich nicht noch einige Tage/Wochen warten wollen bis die Milben endlich ihre Wirkung entfalten.

      Bei einem sehr geringen Befall ist das sicherlich durchaus eine Alternative. :)

      seit 11/2016 ohne Mausis
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    • Vor einigen Jahren hatte ich tropische Rattenmilben und rote Vogelmilben vermutlich mit einer Korkröhre eingeschleppt. Damals habe ich auch erfolgreich Raubmilben verwendet, aber in Kombination mit klassischen Methoden. Meine Mäuse waren stellenweise blutig gekratzt.

      Mein heutiges Vorgehen bei einem zukünftigen Milbenbefall wäre aufgrund der Erfahrungen von damals wie folgt:

      Sofort nach Entdeckung:

      • Mäuse in die Transportbox, Gehege komplett ausgeräumt
      • Einstreu sofort in die Tonne
      • Einrichtung ausbacken/ mit kochendem Wasser übergießen. Alles was das nicht überlebt hat, ab in die Tonne
      • Die Gehegeumgebung und das Gehege alles mit einer Dampfente bearbeiten, soweit möglich
      • Umgebung kontrollieren, ob etwas in den Schränken krabbelt und doppelseitiges Klebeband zur Kontrolle anbringen
      • Milben an ein Parasitologisches Institut zur Artbestimmung einschicken
      -> Das senkt den Milbendruck sofort und verschafft den Mäusen erstmal Linderung.

      Als bald als möglich nach Entdeckung:
      • Zum Tierarzt gehen und einen Spot draufmachen lassen, damit die direkt in der Gehegeumgebung noch vorhandenen Milben beim Saugen sterben. Man muss beim Spotten aber auch immer dran denken, dass es sich um GIFT handelt und die Maus dieses GIFT eventuell nicht vertragen könnte. Ein Restrisiko ist also immer da. Je nach Befallsdichte würde ich bei einem sehr alten oder anderweitig geschwächten Tier nach Rücksprache mit dem Arzt ggf. auf das Spotten verzichten.
      • Raubmilben bestellen. Je nach Ergebnis der Artbestimmung sind unterschiedliche Raubmilben notwendig.
      Täglich bis zum Eintreffen der Raubmilben:
      • Gehege und Umgebung mit der Dampfente bearbeiten
      -> Dadurch wird der Milbendruck so weit wie möglich gesenkt. Natürlich kann man auch die ganze Wohnung schrubben. Wie viel das bringt ist die andere Frage, da sich Milben in die kleinste Ritze zurückziehen können. Irgendwo - fragt mich bloß nicht wo - habe ich gelesen, dass tropische Rattenmilben sogar schon IN einem Drucker gefunden wurden und das der Ausgangsort für eine immer erneute Ausbreitung war.

      Eintreffen der Raubmilben:
      • ab diesem Tag würde ich die tägliche Putzerei einstellen, da hier auch die Raubmilben vernichtet werden würden.
      • Das Ausbringen des Substrats ist nicht schwer. Ich habe einfach einen kleine Unterteller genommen und Müslischüsseln drübergestülpt. Die Schüsseln waren etwas größer als das Unterteller, deshalb konnten die Milben dann am Rand rausklettern und die Mäuse nicht an das Substrat ran. Auf der Packung steht, wie lange man das Substrat da lassen soll, bis alle Milben ausgezogen sind. Der Vorteil der Raubmilben ist eindeutig, dass sie die Saugmilben in jede noch so kleinste Ritze verfolgen. Natürlich bringt das nur was, wenn der Milbendruck schon entsprechend vermindert wurde und keine Notsituation vorhanden ist, in der die Mäuse durch das ständige Saugen sterben könnten.
      Nach XY Wochen:
      • Wenn die Mäuse den ersten Spot gut vertragen haben, würde ich sie zum zweiten Mal spotten lassen nach der Zeit, die der Tierarzt empfohlen hat.

      • würde ich nochmals doppelseitiges Klebenband ausbringen und eventuelle Funde zur Bestimmung einschicken. Wenn es nur Raubmilben sind, nochmals ordentlich und gründlich alles putzen und die Sache als erledigt betrachten.


      smurf79 schrieb:

      Ich kann mir jetzt nicht vorstellen das man sich ständig immer wieder Milben einschleppt
      So recht vorstellen kann ich mir das auch nicht. Das würde bedeuten, dass man immer wieder Dinge aus belasteten Quellen bekommt. Lediglich, wenn man z.B. immer an der selben Stelle Futter von draußen holt (wo sehr viele Vögel sind und dort die Milben abstreifen) oder wenn am Fenster/ in Fensternähe ein Vogelnest wäre, von dem die Milben in die Wohnung wandern, hielte ich das für wahrscheinlich.

      Bei zum Kauf angebotenen Dingen wie Heu, Stroh, Streu und Futter müsste das dem Verkäufer irgendwann auffallen. Diese Dinge nehmen so viele Leute ab, dass sich die Beschwerden häufen müssten und der Anbieter handeln müsste. Das Lager müsste ja wimmeln.

      Was ich mir beim Eindruck eines immer wiederkehrenden Befalls aber gut vorstellen kann: Wie oben beschrieben sind Saugmilben sehr klein und passen in die kleinsten Ritzen. Wenn die Anzahl z.B. stark bekämpft wird, entsteht eventuell der Eindruck, dass die Milben weg sind. Bis sich diese wieder so stark vermehrt haben, dass sie den Mäusen und Menschen richtig zusetzen, können einige Wochen vergehen. Im Prinzip aber waren sie nie weg. Soetwas ist häufiger der Fall denke ich als eine tatsächliche wieder und wieder und wieder Einschleppung.
    • Bei Milben, die sich irgendwo verkrochen haben, haben die "Chemiekeulen" aber einen deutlichen Vorteil gegenüber Putzaktionen. Ardap und Indorex haben eine Depotwirkung, wenn man also entlang von Fußleisten und anderen Stellen, wo sich Milben verkriechen können, etwas davon dort nicht nach dem Einsprühen und nachdem keine Milben mehr sichtbar sind, nicht wegputzt, sondern da läßt, sterben sie durch die Rückstände davon, die sie beim drüberkrabbeln aufnehmen. Es erwischt damit also auch nachfolgende Milbengenerationen und welche, die sich akut gerade vergraben hatten.

      Bei immer wiederkehrendem Befall würde ich daher zu Insektiziden mit Depotwirkung raten, die bleiben auch, wenn eine zeitlang keine Milben da sind, weil sie erst wieder schlüpfen müssen (tun die Raubmilben mangels Nahrung ja laut der Beschreibung nicht) und die erwischen alle, die über die Sprayspuren drüberkrabbeln.

    • Die dürften aber nicht gut gleichzeitig mit Insektiziden funktionieren. Der Mechanismus, der schädliche Milben tötet, wird vor den Nützlingen nicht Halt machen. Das Geld lohnt also nur, wenn du jegliche Indorexreste gründlich wegputzt, bevor die Raubmilben zum Einsatz kommen. Dann hast du aber keine Depotwirkung mehr, wenn welche übersehen wurden oder später schlüpfen. Die Raubmilben sind dann ja verhungert, wenn sie einige Zeit keine Milben mehr als Nahrung finden, und das Indorex ist weg, wenn du nicht erneut sprühst.
      Je nachdem, wohin sie sich verkrochen haben, passt das auch ohne die Langzeitwirkung, aber man kann auch Pech haben.

    • Kasima schrieb:

      nach Anwendung einer Chemiekeule
      Auch pflanzliche Mittel, die Milben töten, werden die Raubmilben erwischen, ebenso dürfte Kieselgur für sie auch nicht gesund sein.
      Es geht halt nur entweder nur mit Putzen und danach Raubmilben oder eben mit Putzen + Insektizide irgendeiner Art als Kombi.

      Aber konkret zu deinem Milbenproblem sollten wir das hier weiter besprechen: Milbenbefall
      Das hier ist ja der allgemeine "was kann ich gegen Milben tun"-Thread.
    • Sasy schrieb:

      Auch pflanzliche Mittel, die Milben töten, werden die Raubmilben erwischen, ebenso dürfte Kieselgur für sie auch nicht gesund sein.
      Ja genau: Alles, was den blutsaugenden Milben schadet, schadet natürlich auch den Raubmilben. Fogger, Sprays, Kieselgur, Klebeband usw. D.h., wenn Raubmilben, dann nur mechanische Reinigung (=Streu entsorgen, normal putzen/ wischen) und das Spotten der Mäuse bevor die Raubmilben eingesetzt werden. Andere Mittel müssten sich erst verflüchtigt haben, bei manchen Sprays hält die Wirkung angeblich bis zu 6 Monate.


      Tanja schrieb:

      @Myon : Welche Raubmilben kannst du gegen Rattenmilben empfehlen, da wir hier leider derzeit von Rattenmilben befallen sind? Ich habe zwar gegoogelt, aber da stehen oftmals nur Blutmilben/Vogelmilben als Bekämpfung?
      Ich hatte die Raubmilben damals vom Schneckenprofi und per Mail gefragt, da wir auch Rattenmilben hatten. Die Antwort war, dass sie davon ausgehen, dass die Raubmilben auch die Rattenmilben fressen, sie dies aber bisher nicht getestet haben. Da bei uns nach dem Einsatz der Raubmilben nichts mehr gekrabbelt hat, gehe ich davon aus, dass die tatsächlich gefressen wurden.
    • Habe soeben Myon's detaillierte Anweisungen durchgelesen, falls sie nochmals Milben hätte. Ist excellent zusammengefasst.

      Als wir damals tropische Rattenmilben hatten, war die Panik gross, da sie uns auch gebissen haben. Micha war übersät von Stichen, ich nur vereinzelnd, weil ich akribisch nach jedem Kontakt die Hände und Arme gewaschen habe, alle Wäsche gekocht habe...



      Ich weiss nicht, ob ich zu dem Zeitpunkt noch die Nerven gehabt hätte, Raubmilben zu bestellen und warten bis sie ihr Ding machen...dauert ca. sechs Wochen?

      Bei der erste Grossreinigung und Desinfektion war ich guter Dinge, als die Milben aber nach 2 weitere Grossputze mit Dampfente, Essig, med. Alkohol und Backofen und kaum Zubehör im Käfig immer noch zurückkamen, war ich am Ende...dann haben wir Ardap eingesetzt, und es war Ruhe.

      Was gut war ist dass wir alle infizierte Renner und Käfige in einem weit entfernten Quarantäneraum im Keller unter gebracht haben, in kleinere, leicht zu reinigende Krankenaquas, bis der Spuk vorbei war. Und um die Aquas und über den Türsimms doppelseitiges Klebeband. Somit konnte ich der Sache etwas cooler angehen, da in der Wohnung selber keine Milbenherde untergebracht waren. Etwas cooler...da hab ich jedes umherliegende Staubkörnchen kritisch betrachtet ob es sich auf dem Weg macht...

      Zum Glück sind die Rattenmilben nicht übergegangen an dem grossen Käfig der Perserinnen (der ca. 4 meter weiter weg war), denn den auszuräumen wäre der blanke Horror gewesen.

      Übrigens, ich meine gelesen und auch beobachtet zu haben dass das spotten der Mäuse (1x pro Woche, wir kriegten das Mittel vom TA mit) dazu führt dass die Rattenmilben die Maus verlassen, wie das sinkende Schiff. Es hat sie aber nicht getötet. Es fielen eher die dicken, vollgesaugte ab, aber einige wenige Kleine blieben am Körper - habe immer den Mäusehintern wie wild gegen die Fellrichtung geschrubbert, dann fielen sie weg/auf.

      Deswg. nach dem spotten die Maus 30 Minuten im Miniaqua auf Papier gehalten, um zu sehen wie viele es waren, und diese dann zu entfernen/abzutöten.



      Es wäre tatsächlich gut zu wissen, ob die Raubmilben gegen die Rattenmilben erfolgreich sind - somit könnte man in Zukunft gut nach Myon's Anweisungen handeln, ohne chemische Keulen zu benützen.

      "It's a strange and beautiful world" :rolleyes:
    • Wie genau die Behandlung letztlich von Statten geht, würde ich wirklich sehr von der Befallsdichte abhängig machen. Wenn es mir so ginge, dass ich a) das Zeug nach mehreren Wochen einfach nicht loswerden und/ oder b) es überall wimmelt, würde ich vermutlich auch die Chemiekeule schwingen. Ich war/ bin bei solchen Dingen aufgrund zweier Fischaquarien recht eingeschränkt, weshalb ich mich damals gegen das übliche Foggern und das Ardap entschieden habe. Beides hätte die Fische in große Gefahr gebracht und zwei Becken mit je 500kg sind absolut nicht mobil.

      Solange sich die Viecher in Maßen halten und kein Zeitdruck aus gesundheitlichen Gründen besteht, würde ich deshalb beim (hoffentlich nie kommenden) nächsten Milbenbefall wie beschrieben vorgehen. Die Raubmilben brauchen glaube ich auch keine 6 Wochen, um Wirkung zu zeigen. Eher zwei oder drei.

      Eine gründliche Reinigung und Entsorgung der befallenen Gegenstände schafft eine deutliche Entlastung vom Milbendruck.

      Allen aktuell Geplagten wünsche ich alles alles Gute, durchhalten!