Haltungsbericht der Sundevallsrennmaus Meriones crassus perpallidus

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    • Haltungsbericht der Sundevallsrennmaus Meriones crassus perpallidus

      Die Sundevallsrennmaus (Meriones crassus) bildete einige Unterarten aus. Diese leben in freier Wildbahn von Marokko bis Afghanistan in unterschiedlichen Habitaten. Hier geht es nur um die Unterart M.c. perpallidus die in den ägyptischen Westwüsten zu Hause ist. Mir ist nicht bekannt, dass aktuell andere Unterarten gepflegt werden. Als früher regelmäßig Importe verschiedenster Nagetiere aus dem Nahen Osten in Deutschland eintrafen, war eventuell auch die eine oder andere Unterart dabei. Die Bestimmung gestaltet sich als recht schwierig und ist gerade bei den Gerbillusarten aus Nordafrika nur wissenschaftlich bzw genetisch möglich.

      In Deutschland habe ich 2015 keinen Halter gefunden, der noch Sundevallsrennmäuse halt oder züchtet. Ich bin Zootierpfleger und in der Bundesarbeitsgruppe Kleinsäuger e.V. organisiert, so dass mir Haltungen offen stehen, die für viele Privathalter nicht erreichbar sind (über die normalen Medien / Anzeigen).

      Ende Dezember hat der Zoo Stralsund ein Marabuweibchen aus dem Zoo Prag geholt und ich habe die Chance genutz einen Schwung Fettschwanzrennmäuse mitzugeben. Diese sollten gegen "irgendwelche" andere Rennmäuse getauscht werden. So kamen die ersten 4 Tiere nach MeckPom. Im April 2016 traffen sich interessierte Kleinsäuger in Pilsen und auch von dort konnte ich noch einmal 2 Tiere mitnehmen. Aktuell habe ich 4 Paare und einige Jungtiere in meinem Bestand.

      Warum die Maus hier verschwunden war, ist mir schleierhaft. Sie ist sehr sozial völlig unkompliziert und recht ansprechend im Äußeren. Frei übersetzt aus dem Tschechischen heißt sie dort - die seidige Rennmaus / die Rennmaus mit dem seidigen Fell. Gut zu sehen auf dem Bild die vielen feinen Haare.



      Die Sundevallsrennmaus ist in der gehaltenen Unterart recht leicht zu erkennen. Typisch sind die dunkellila Fußsohlen sowie der braune Zwischenaugenstreifen (Blesse)



      Ich halte die meisten Rennmäuse in OSB Terrarien von 120 x 60 x 60cm, da hier recht leicht verschiedene Ebenen angebracht werden können. Diese dienen nicht nur dem erhöht angebotenen Wassernapf, sondern auch der "Kleinstrevierbildung" bei der Nachzucht (absolut notwendig bei Shawrennmäusen). Die Becken wurden modifiziert; mehr Lüftungslöcher, Holzbrett zur Bodengrund Erhöhung, Drahtgaze gegen Verbiss der Weichholzteile; und stehen in einem extra Raum außerhalb des Wohnhauses. Dieser wird im Winter lediglich auf 10°C beheizt. In den Becken befinden sich Porzellanfassungen für Glühbirnen, die je nach Art und Jahreszeit 20 - 60 Watt Lampen aufnehmen.



      Das Bodengemisch besteht aus staubfreien Holzspänen und Heu vom Bauern der Region. Eine Sandbadestelle wird nicht mehr angeboten, da diese nicht genutzt wurde. Für die springfreudigen Arten verwende ich Bonbongläser mit Chinchillabadesand. Mindestens 2 Nistkästen als Wurf- und Schlafplatz werden angeboten. Dazu kommen Wurzel, Mauersteine oder Tonröhren um das Becken etwas zu gestalten.

      Über das Futter kann man stundenlang philosophieren und streiten. Wichtig erscheint mir das richtige Angebot für die jeweilige Haltung zu finden. Als privater Hobbyhalter, der sich sehr viel mit dem Tier beschäftigen möchte, die Masse hier gehört sicherlich dazu, kann man individuell und Mausbezogen füttern. Eventuell sogar aus der Hand oder abgewogen. Der interessierte berufstätige Schichtarbeiter oder Student mit wöchtlicher Pendelsituation sucht ein Kompaktfutter für die ordentliche Versorgung. Je nach Situation sollte die Futtermitteldareichung betrachtet werden. Auch wenn Pellets oft verteufelt werden, sind sie bei guter Verarbeitung doch recht einfach im Umgang. Die Maus erhält alle wichtigen Inhaltsstoffe und dürfte somit nicht leiden. Der ambioniert Tierhalter greift gerne auf Futtermischungen zurück bietet diese aber in Näpfen in viel zu großer Menge an. Ergebniss ist nicht nur volluriniertes Futter sondern auch noch falsch ernährte Tiere, da diese sich stets die Leckerbissen raussuchen können.
      Ich füttere meine Tiere alle zwei Tage. Neben dem immer vorhandenen Heu und Wasser, gibt es eine Sämereien/Pelletmischung. Diese besteht aus einem handelsüblichen Rennmausfutter mit diversen groben Körner, einem eiweißhaltigem Goldhamsterfutter sowie getrockneten Kräuter (hauptsächlich Brennessel) im Verhältniss 3:1:1. Pro Tag und Maus gibt es einen kleinen Plastiklöffel breitflächig im Einstreu verteilt. Die Sundevalls neigen nicht zum übermässigen hamstern, wie man es von Buschschwanzrennmaus oder Perser kennt. Im Sommer gibt es regelmäßig Wildkräuter (Sensenschnitt von der Wiese mit Löwenzahn, Wegerich, Wicke, Vogelmiere) im Winter hauptsächlich Chiccoree. Außerdem noch Knabberäste von Weiden, welche ich direkt von der Arbeit mitbringen kann. Die kleinen Rennmausarten erhalten eine Futtermischung für Farbmäuse von MIXERAMA. Hier sind ebenfalls Kräuter und tierische Bestandteile vorhanden. Grundfutter sind aber hauptsächlich kleine Hirsesämereien.



      Da ich die Art in der privaten Hand erhalten möchte, bewohnen jeweils 1,1 meine Becken. Die Jungtiere können bei dieser sehr sozialen Art gerne 8 Wochen bei den Eltern bleiben. Auch die folgende Generation wird ohne Probleme groß. Die Sundevallsrennmaus ist nicht bissig. In gesamten Zeitraum der Haltung konnte ich die Tiere immer ohne Handschuhe greifen. Eine Geschlechtsbestimmung ist so sehr leicht möglich. Wie bei allen Nagetieren kann man auch diese Rennmäuse am Abstand der Körperöffnungen unterscheiden. Links das Weibchen 0,1, rechst das Männchen 1,0.



      Für die Zucht positiv ist die Verträglichkeit untereinander. So war es mir möglich auch neue Partner nach erfolgreicher Aufzucht (3 Würfe) mit dem anderen Geschlecht zu verpaaren. Wenn ältere gleichgeschlechtliche Wurfgeschwister auf den Wurf des anderen Paares warten müssen - kein Problem. Auch wenn ein Paar harmoniert aber kein Nachwuchs kommt, kann man die Tiere austauschen.

      Im Jahr 2016 habe ich von 7 verschiedenen Paaren 15,17 Tiere gezogen. Paar I 4,3 / Paar II 2,1 / Paar III 3,8 / Paar IV 3,0 / Paar V 2,2 / Paar VI 1,2 / Paar VII 0,1. Der erste Wurf besteht sehr oft aus 2 Jungtieren. Später werden 4 - 5 Jungtiere geworfen. Man kann sehen, das die ersten Jungtiere, welche ich verpaart habe im Herbst die ersten eigenen Jungtiere geworfen haben. Trotz recht niedriger Temperaturen ziehen die Tiere auch im Winter.
      Die Haltung von 1,2 ist möglich aber zur Zucht ungeeignet. Bei mir hat das eine Weibchen alle Jungtiere annektiert und so 7 Jungtiere gleichzeitig aufgezogen.

      Als berufstätiger Familienvater versorge ich meine Tiere zwischen 18.30 - 20Uhr. Dann kann man die Sundevalls gut sehen, da sie wahrscheinlich auf die Futtergabe kondinionert sind. Gelegentliche Kontrollen tagsüber führen nur selten zu Sichtungen. Trotzdem würde ich sie eher als Tag- und Nachtaktiv einstufen. Ähnlich wie die Mongolische Rennmaus hat sie wechselnde Aktivitätsphasen. Die Tiere bleiben beim Öffnen der Scheibe aufmerksam sitzen, sind beim Hantieren im Becken aber eher scheu. Dies ist auf den nichtvorhanden Kontakt zum Menschen zurückzuführen. So neugierig und aufdringlich wie Shawrennmäuse sind sie nicht.

    • Also, ich muss sagen, ich finde es richtig toll, dass du dich so für die Arterhaltung einsetzt und dir so eine Arbeit für die Haltungsberichte machst! Ich hoffe, du machst das noch ein paar Jährchen, denn wenn ich irgendwann wieder exotischere Arten einziehen lasse, dann habe ich ja schon einen Anlaufpunkt (vor allem hier in MeckPom...das finde ich besonders klasse! ). Bis dahin bin ich weiterhin stiller und sehr interessierter Mitleser

    • Auch von meiner Seite ein großes Dankeschön für den Bericht und Deinen Einsatz!
      Dass diese Tiere sich so gar nicht durchsetzen konnten in der privaten Haltung, ist mir nach Deinem Beitrag ein völliges Rätsel - scheinen sie doch wesentlich komplikationsfreier zu halten zu sein als zB Mongolen.
      Gibst Du denn irgendwann auch mal welche in private Hobbyhaltung ab?

    • Danke für das Feedback ;)
      Gerne gebe ich auch Tiere ab. Die BAG Kleinsäuger ist nix besonderes - nur ein Verein, der sich mit der Haltung von Kleinsäugern beschäftigt. Die Masse sind Privathalter. Ich habe dort nur die Möglichkeit durch die jährlichen Bestandsmeldungen die Rennmausartenanzahl zu verfolgen. In tiergärtnerischen Einrichtungen ist diese Gruppe ja eher Mangelware und Bestände hinter den Kulissen sind sehr stark von den Führungskräften abhängig.
      Ich habe für ein Seminar mal eine Übersicht erstellt. Das Jahr 2015 ist jetzt zugefügt, 2016 bekomme ich erst Ende Mai. Man sieht die Tendenz der Artenanzahl. Von den 17 Arten 2015 sind 3 Arten Einzeltiere / Alttiere. 3 Arten sitzen im Zoo Moskau und sind somit nur mit Bürokratischem Aufwand zu bekommen. Bleiben also 11 Arten, welche aktuell gezüchtet werden.

      Tierbestand innerhalb der BAG Kleinsäuger e.V.

      2012 Artenanzahl: 23 Gesamtanzahl: 522 davon privat: 136

      2013 Artenanzahl: 23 / Zucht 18 Arten Gesamtanzahl: 599 davon privat: 179

      2014 Artenanzahl: 21 / Zucht 14 Arten Gesamtanzahl: 566 davon privat: 173


      2014 Privat-Halter: 11(Zucht 9) Arten: Wagners Rennmaus, Dipodillus dasyurus / Zwerg-Wüstenrennmaus, Gerbillus nanus / Blasse Wüstenrennmaus, Gerbillus perpallidus /Mongolische Rennmaus (Wildfang-Nachzucht), Meriones unguiculatus /Fettschwanz-Rennmaus, Pachyuromys duprasi / Fette Sandratte, Psammomys obesus / Buschschwanz-Rennmaus, Sekeetamys calurusaußerdem Persische Rennmaus, Meriones persicus, Ägyptische Sundevall-Rennmaus, Meriones crassus (perpallidus) )

      2015 Artenanzahl: 17

      Gruß Andreas

    • Ich gebe alle in private Hände ab. Wie schon gesagt, sind wir ein Zusammenschluss von Privathaltern. Die Belutschistan sind die kleinsten und nachtaktivsten von meinen Rennern. Erst vor knapp 2 Jahren ist in Mönchengladbach die regelmäßige Zucht gelungen. Von diesen Tieren habe ich dann welche übernommen. Bei mir hatte ich nur 2 x Jungtiere, die groß geworden sind. Alle anderen Würfe sind verschwunden. Denke sie ist ein absolutes Beobachtungstier (in der Nacht ;) ) Stress zwischen den Partnern gab es bei mir noch nicht. Hoffe, dass sie sich im Sommer wieder vermehren.

    • Hallo tramp74! ^^
      ich bin wirklich hochbegeistert von deiner Anlage und dem was du machst.
      ich hab auch schon viele exotische Rennmäuse gehalten. Leider hab ich derzeit keine mehr aber würde mir gerne wieder welche zulegen.
      Darf ich fragen von wo du bist? Du wärst für mich eine sehr gute erste Anlaufstelle wenn es so weit wäre. bei dir bin ich mir sicher das sie aus einer guten Haltung kommen.

      mach weiter so!!! Find ich super

    • Hallo, ich komme aus der Nähe von Stralsund. Kannst dich gerne melden. Werden dann eventuell Züchter in Deiner Nähe finden. Die Sundevallsrennmaus ist momentan kaum noch in der Haltung. Ich hatte dieses Jahr nur 3 weibliche Nachzuchttiere bei den Würfen. Diese ziehen aber bei den neuen Besitzern keine Jungtiere auf. Der aktuelle Bestand in deutscher Haltung (BAG) beträgt nur noch 10,5. Aber keiner züchtet. Gruß Andreas

    • Nachdem 2017 nur junge Männchen geboren wurden, und abgegebene Paare nicht aufgezogen haben, kam die Zucht zum erliegen. Ich habe aus Tschechien noch einmal 1,2 Rennmäuse bekommen. Diese haben nun das zweite Mal Jungtiere, so dass mein Bestand aktuell 4,3,4 beträgt. Bei einem weiteren Halter kam es ebenfalls zu einer erfolgreichen Nachzucht. Wir werden zeitnah Tiere tauschen und so hoffentlich weitere Zuchtpaare aufbauen.
      Aktuell möchte ich keine Tiere abgeben, da der Bestand erst wieder aufgebaut werden soll.
      Ich halte Euch weiter auf dem Laufenden.
      Gruß Andreas

    • Hallo. Die Zuchtsaison 2018 lief so lala.
      Wir konnten Tiere tauschen und ich habe aktuell 4 Paare im Bestand. 3 von ihnen haben aktuell Jungtiere. Die ältesten haben jetzt zum ersten Mal etwas gefressen. Wie so häufig wieder je 2 Jungtiere beim ersten Wurf. Ich hoffe, dass die Elterpaare die nächsten beiden Würfe gut großziehen. So wäre eine ordentliche Basis von 30 Tieren vorhanden.

      Bilder
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    • Alle Rennmäuse und Hamster sind in einen anderen Raum umgezogen. Dieser ist an die zentrale Heizungsanlage des Wohngebäudes angeschlossen. So werden die Tiere im Winter jetzt bei ca. 17 °C gehalten. Die Neugestaltung habe ich auch dazu genutzt die OSB Terraien noch einmal umzubauen. Die Sundevalls Rennmaus nagt doch etwas stärker und so leiden die OSB Seitenteile etwas. Deshalb wurden von innen dünne Siebdruckplatten vorgeschraubt, um ein Ausbruch zu verhindern. In den 5 Jahren Einsatz der Terrarien ist aber noch nie eine Maus ausgebrochen. Reine Vorsichtsmaßnahme meinerseits.



      Auch wenn es vorkommen kann, dass ein Paar im ersten Lebensjahr noch gemeinsam die Wärme der Lampe genießt,



      ist es im Alter notwendig die obere Plattform mit einem Haus für das Männchen auszustatten. Hier kann er sich zurückziehen und wird vom Weibchen ignoriert.



      Gerade während der Aufzucht möchte sie eher alleine sein.

    • Ende März war ich in Görlitz bei der Frühjahrstagung der BAG Kleinsäuger e.V. . Dort wurden 1,3 Sundevalls an ein Mitglied übergeben. Somit gibt es theoretisch/hoffentlich eine 3 Zucht.

      Außerdem habe ich mir auch mal das Mehrkammerhaus von Trixi bestellt. War im Angebot für 7,99€ beim größten Online Versandhandel und es wurde für Shaws empfohlen. Ich bin enttäuscht. Die Innenboxen sind so klein, das ein adultes Tier eventuell noch darinn schlafen kann, aber mit Jungtieren geht das nicht. 2 Kammern sind mit einem Boden ausgestattet, 2 nicht. Dementsprechend muss es direkt auf dem Boden stehen, da sonst eine Verletzungsgefahr besteht. Natürlich wird eine Kammer als Klo benutzt - und natürlich keine ohne Boden. Der Deckel ist sehr leicht und wird von den großen Rennmäusen angehoben. Ein Beschwerden ist also notwendig. Die Idee ein "Gangsystem" im Bodengrund zu haben funktioniert nicht, da die Sundevalls das Bodensubstrat um das Haus wegscharren.



      ein zweites Haus steht bei den Blassen Rennmäusen. Hier ist der Deckel leider längs gebrochen, so dass nun eine Hälfte ständig weggeschoben wird.
      ein drittes Haus habe ich bei den Dsungarischen Zwerghamstern ausprobiert. Hier hat sich ein Tier in der kleinsten, nicht einsehbaren Kammer unter der Leiter einquartiert, so dass eine Kontrolle der Gesundheit mit viel Geduld erfolgen muss. Er/sie kommt halt nicht raus wenn ich das gerade möchte ;)

      Fazit: Für die großen Rennmäuse kauf ich lieber weiter große Vogelnistkästen (beim regulären Preis von 15,99€ bekomm ich sogar 2 Nymphensittichkästen dafür). Für kleine Rennmäuse, wie die Wagners Rennmaus, und Zwerghamster ist es geeignet. Es wäre sinnvoll den Boden vor dem Einsatz zu entfernen.