Absetzalter bzw. Abgabealter zwecks Vergesellschaftung

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    • Absetzalter bzw. Abgabealter zwecks Vergesellschaftung

      In diesem Forum gibt es Unklarheiten hinsichtlich des empfohlenen Absetzalters bei der Mongolischen Rennratte. Dadurch riskieren Personen, die vom gefühlten Forenstandard oder den Ansichten einzelner Züchter abweichen, den Vorwurf, dass sie sich nicht richtig informiert hätten. Dabei beruht gerade dieser Vorwurf auf einer zu geringen Wahrnehmung der Fachliteratur. Da es in dem Zusammenhang auch immer wieder zu einer falschen Darstellung der natürlichen Lebensweise der Art kommt, verliere ich dazu ebenfalls ein paar Worte. Es gibt zu den hier angesprochenen Aspekten teils umfangreiche Schriften, ich beschränke mich hier jedoch auf die Angabe von zwei Übersichtswerken. Zusätzlich erwähne ich noch das Merkblatt der TVT, da diesem als Orientierung für Heimtierhalter und Hobbyzüchter in Deutschland eine besondere Bedeutung zukommt.

      In der Natur lebt die Mongolische Rennratte gewöhnlich in erweiterten Familiengruppen. Diese bestehen aus einem sich fortpflanzenden Paar und dessen Nachwuchs (Waiblinger, 2010:329). Die Jungtiere eines Jahres verbringen den ersten Winter noch im elterlichen Bau (Denys et al., 2017:648). Der adulte Nachwuchs beiderlei Geschlechts pflanzt sich dabei gewöhnlich noch nicht fort oder nutzt möglicherweise Wurfpausen des dominanten Weibchens zur eigenen Fortpflanzung (Waiblinger, 2010:329). Angesichts einer Lebenserwartung von drei bis vier Monaten (Denys et al., 2017:648) und der philopatrischen Lebensweise (Waiblinger, 2010:329) dürften die Verhältnisse in der Natur jedoch nur eingeschränkt für die Heimtierhaltung zu Rate gezogen werden können, wenn es um Vergesellschaftungen geht.

      In der seriösen Tierzucht kann der Zeitpunkt des Absetzens von unterschiedlichen Erfordernissen abhängen. Dennoch empfiehlt Waiblinger (2010:337) einen Zeitraum zwischen 28 und 35 Tagen und gibt 21 Tage als frühesten Zeitpunkt an. Das Körpergewicht sollte 12 bis 18 Gramm und vorzugsweise 20 Gramm betragen. Verhaltensaspekte lassen jedoch den Schluss zu, dass ein späteres Absetzen vorteilhaft sei, bei Zuchttieren insbesondere nachdem der Folgewurf aufgezogen wurde. Ähnliche Aussagen finden sich in einem Großteil der Fachliteratur.

      Für die Heimtierhaltung empfiehlt die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (2014:1) ein Absetzalter von vier Wochen. Bei Haltern und Hobbyzüchtern liegen die Angaben gewöhnlich darüber. Zur Vergesellschaftung mit adulten Tieren in diesem Forum meist bei acht bis zehn Wochen, andere sehen bei einem Alter von 15 Wochen oder mehr Vorteile (pers. comm.). Letzteres wird auch durch bisher unveröffentlichte Untersuchungen gestützt.

      • Denys, Taylor, Aflin (2017): Family Muridae (true mice and rats, gerbils and relatives). In: Wilson, Lacher, Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. 7. Rodents II. Lynx Edicions, Barcelona, S. 536–884.
      • Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (2014): Mongolische Rennmäuse. S. 1–3.
      • Waiblinger (2010): The laboratory gerbil. In: Hubrecht, Kirkwood (Hrsg.): The UFAW Handbook on the Care and Management of Laboratory and Other Research Animals. 8. Auflage, Wiley-Blackwell, Chichester/Ames, S. 327–347.
    • Torben* schrieb:

      Angesichts einer Lebenserwartung von drei bis vier Monaten (Denys et al., 2017:648)
      das ist so falsch wieder gegeben. Das ist die durchschnittliche Lebenserwartung und nicht die absolute. Die maximale Lebenserwartung liegt in der Natur bei ca. 2 Jahren. Nachzulesen bei Naumow und Lobachev, 1975.
      Und sorry, Waiblinger ist sicher nicht das Maß der Dinge für die Heimtierhaltung, denn dort geht es um Nachzucht für Labormäuse.
    • Nein, das ist so schon richtig. Die „durchschnittliche Lebenserwartung“ ist mit der Lebenserwartung identisch, das wird nur häufig zur Verdeutlichung so geschrieben. Die zwei Jahre bei Naumow und Lobatschew oder eine „maximale Lebenserwartung“ haben damit nichts zu tun. „Maximale Lebenserwartung“ ist auch keine gute Übersetzung, würde heute doch „mögliche Lebensdauer“ wählen, obwohl auch das nicht unmissverständlich ist.

      Keine der angegebenen Quellen ist das Maß der Dinge für die Heimtierhaltung. Deswegen habe ich mich auch nicht davor gescheut, unterschiedliche Quellen anzugeben. Ein Blick über den Tellerrand der Heimtierhaltung ist allerdings lohnend, es geht hier schließlich um dieselbe Art. Verlässliche Literatur zur Haltung dieser Art kommt eben gerade aus dem Bereich Versuchstierhaltung. Übrigens, Waiblinger befasst sich immerhin mit der Haltung, bei Denys oder Naumow und Lobatschew ist sogar das nicht der Fall.

    • Das mit den 3-4 Monaten steht doch nur da oben um zu begründen, warum die Verhältnisse in der Natur nicht als Beispiel für die Haltung in Gefangenenschaft geeignet sind...

      Vollständig heißt es bei Wikipedia:

      Die durchschnittliche Lebenserwartung der Mongolischen Rennmaus beträg in der Natur vermutlich nicht mehr als drei bis vier Monate. Ein markiertes, erwachsenes Weibchen wurde nach fast einem Jahr ein zweites Mal gefangenen, nachdem es seinen zweiten Winter verbracht hatte. So liegt die maximale Lebenserwartung in der Natur bei etwa zwei Jahren oder etwas darüber und innerhalb eines Jahres ist eine Population gewöhnlich vollständig erneuert.
      Nur 4% der gefangenen Tiere waren in dieser Studie über 8 Monate alt.
      In dem Artikel wird auch darauf hingewiesen, dass die meisten Jungtiere ihren ersten (und einzigen) Winter noch im elterlichen Bau verbringen, was logischerweise bedeutet, dass die meisten gefressen werden bevor sie auswandern. Noch ein Grund, warum die Verhältnisse in der Natur kein Maßstab für das Absetzalter bei Zuchtmäusen sein können...

      Eine "maximale Lebenserwartung in der Natur" anzugeben macht IMHO nicht viel Sinn - wenn weniger als 1% der Tiere dieses Alter erreicht und selbst die wenigen Ausnahmen sicher nicht das Alter erreichen, dass sie von ihrer Konstitution her erreichen könnten, sondern vorher gefressen werden.
    • Chawni schrieb:

      […] was logischerweise bedeutet, dass die meisten gefressen werden bevor sie auswandern.

      Richtig. Ergänzen könnte man noch „… oder bevor sie nicht abwandern“, denn logischerweise werden in der Zeit häufig die Elterntiere das Zeitliche segnen, so dass der überlebende Nachwuchs den Bau übernehmen kann. Jedenfalls eignen sich die Bedingungen in der Natur ziemlich schlecht als Vorbild für die Heimtierhaltung.