Brüder nach Streit vergesellschaften

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    • Brüder nach Streit vergesellschaften

      Hallo zusammen, ich hab in diversen Foren und Büchern leider schon sehr unterschiedliche Meinungen gelesen und wollte Euch deshalb zur Sicherheit nochmal um eure Einschätzung bitten.
      Folgende Situation:
      Wir haben seit 2 Jahren 2 Renner-Brüder in einem selbstgebauten Holz/Plexiglaskäfig (100 l x50 b x120 h, unterste 30-40 cm komplett Streu zum Nest und Tunnel anlegen, dann 2 Etagen drüber mit je ein paar cm Streu und eine Etage mit Sand, Rad, Hängematte, Kletterästen etc.). Vor einem Jahr gab es nach dem Auslauf immermal Probleme damit, dass sie sich gejagt haben, das hat sich aber schnell wieder gelegt und wir hatten den Auslauf dann erstmal wieder gelassen, seit einem halben Jahr ging es aber problemlos auch mit Auslauf. Jetzt haben wir vor ein paar Tagen Teile des Geheges gereinigt, leider war es diesmal scheinbar zu viel (neuer Sand ins Sandbad und Streu auf einer Etage getauscht) und es gab wieder das Jageproblem und den Rest der Zeit hat der Gejagte in einer Ecke verbracht, während der Jagende fröhlich durch den Käfig geturnt ist. Als sich das nicht gebessert hat, haben wir beide Mäuse in neutrales Terrain mit wenig Platz gesteckt (Wäschekorbgroß), da haben sie sich kurz gejagt, nach 20 min ging es aber prima und sie haben wieder als Knäul geschlafen. Also haben wir sie in einen kleinen, abgesperrten Teil des Käfigs gesetzt, da flogen aber so sehr die Fetzen, dass der Gejagte an der Seite vom Hinterbein/Po viele Bisswunden hat und der Jagende eine Verletzung am Augenlid, ehe wir dazwischengehen konnten.
      Der Jagende sieht ganz munter aus, der Gejagte leider sehr apathisch und frisst /trinkt/ bewegt sich nicht. Wir haben dann beide natürlich getrennt und zum TA gebracht und sie bekommen beide Schmerzmittel/ Antibiotika und wohnen jetzt vorübergehend jeder auf 2 Etagen (das könnten wir notfalls optimieren, falls sie länger getrennt bleiben müssen).
      Wie würdet ihr jetzt weiter vorgehen? Getrennt lassen, bis beide hoffentlich wieder gesund sind und dann mit Trenngitter versuchen? Oder wieder in den Wäschekorb, aber länger dort lassen, weil das ja eigentlich ganz gut geklappt hat? Oder gar nicht mehr versuchen und je einen neuen Kumpel suchen? ?(:oops::(
      Wir sind über jeden Tipp dankbar!
      Vielen Dank Euch schonmal im Voraus!

    • Oje, arme Mäuschen, das klingt nicht gut.

      Dass sie jetzt getrennt sind ist gut. Sie sollten keinen Sichtkontakt haben, damit sie wirklich zur Ruhe kommen können! Außerdem sollten sie auf Zewa sitzen, wenn sie offene Wunden haben, damit da kein Dreck hineinkommt. Beschäftigung und Versteckmöglichkeiten (v.a. für den Gejagten) solltest du schon anbieten.

      Vielleicht stellst du ein Foto vom Gehege rein - mit den vielen Etagen klingt das nach vielen Möglichkeiten zur Revierbildung. Ob die wieder zusammenfinden, trau ich mich nicht zu sagen. Jetzt sollten sie jedenfalls einmal 14 Tage getrennt sein...

    • Lia92 schrieb:

      Wie würdet ihr jetzt weiter vorgehen? Getrennt lassen, bis beide hoffentlich wieder gesund sind und dann mit Trenngitter versuchen?
      Ja, genau so.
      Der Wäschekorb ist, genau wie Badewanne und Co, nicht mehr zeitgemäß und wird hier nicht mehr empfohlen.

      Besonders der Gejagte muss sich jetzt erst von dem Schock erholen.
      In der freien Wildbahn werden Mäuse vertrieben, wenn sie im Clan nicht mehr geduldet sind. Diese Mäuse gehen dann freiwillig, weil sie wissen, dass sie sonst gelyncht werden. Im Käfig kann die gejagte Maus nicht gehen - was widernatürlich ist und ihren Instinkten zuwider läuft - und deshalb hat sie große Angst in der Situation. Davon muss sie sich erstmal erholen.

      Im Interesse des eigenen Überlebens kämpfen Mäuse aber nicht miteinander, wenn sie von außen bedroht werden oder sich in einer gefährlichen Situation befinden. Deshalb funktionieren Sachen wie Wäschekorb und Kleinraummethode erstmal, lösen aber das Problem nicht, weil unter Angst auch keine Lernprozesse stattfinden (und Vergesellschaftung ist ein Lernprozess).
      Anders bei der Neutraler-Boden-Methode - hier ist die Situation zwar ungewohnt, aber nicht gefährlich oder stark angstauslösend. Die Mäuse sind voneinander abgelenkt, was für den Start günstig ist, sie funktionieren aber "normal" und nicht im Alarm-Modus, so dass eine Gewöhnung stattfinden kann, die dann im Weiteren auch tragfähig ist.

      Apathisch klingt tatsächlich nicht gut, wie lang ist das jetzt her? Welches Schmerzmittel kriegt er und wie oft?
      Bei Bisswunden würde man meist Metacam geben, das muss er dann aber auch einmal am Tag von euch kriegen. Die Spritze beim Tierarzt hält nicht ewig.
      Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit, dass er noch eine andere, nicht erkannte Krankheit hat und deshalb auch von dem Partner verbissen wurde. Ich würde eine Kotprobe machen, bevor ich über re-VG nachdenke.
    • Ich persönlich würde beide Jungs jetzt erst einmal getrennt voneinander unterbringen, damit sich beide erholen und beruhigen können. Erst einmal müssen beide ihre Verletzungen auskurieren.
      So, wie es sich liest, waren die beiden schon längere Zeit (oder sogar noch nie) ein richtiges Dreamteam. Im Laufe der Zeit hat sich alles hochgeschaukelt und nun ist es passiert - Beißerei mit Verletzungen. Ob nun eine Krankheit oder das Gehege mit Schuld daran trägt, kann ich nicht beurteilen.
      Für mich wäre dieser letzte Vorfall Grund genug, es spätestens jetzt mit diesen beiden Jungs nicht mehr zu versuchen. Ich hatte auch schon 2 oder 3 Pärchen, die einfach nicht miteinander konnten und mit einem jeweils anderen Partnertier viel entspannter und zufriedener geworden sind.

      Das schont letzendlich auch gehörig die eigenen Nerven.

    • Erstmal trennen ,jeder eigenes Gehege ,wenn möglich getrennte Zimmer.
      Ich würde auch überprüfen ,ob eine Erkrankung im Spiel ist.Duftdrüse sieht normal aus? Bauch abgetastet? Zähne? Hat sich das Gewicht verändert?
      Kotprobe.

      Sollte eine Erkrankung der Auslöser sein,das Tier behandeln und dann eventuell mit TG Methode nochmal versuchen.

      Ich persönlich würde sie nicht mehr zusammen bringen.
      Lg Orio :wink:

    • Hallo,
      erst einmal vielen lieben Dank für die vielen Tipps!
      Eigentlich wollte ich gestern Nachmittag noch ein Aqua für einen anderen Raum kaufen, leider hat unser kleines Sorgenkind aber gestern den Weg über die Regenbogenbrücke angetreten ;( Er hat nicht mehr abgeschluckt und dadurch haben wir weder Medis noch Wasser oder Päppelbrei in ihn rein bekommen und trotz Wärmelampe und Wärmflasche war er eiskalt. Die TÄ meinte dann auch, dass es möglicherweise eine Grunderkrankung hatte, weil die Bisse zwar nicht schön, aber auch nicht soo dramatisch lebensbedrohlich waren. Leider ging es ihm aber innerhalb von 2 Stunden so viel schlechter, dass sie meinte, dass sie da auch nichts mehr machen kann.
      Wir werden jetzt auf jeden Fall zur Sicherheit von Maus 2 ne Kotprobe untersuchen lassen und ihn erstmal in Quarantäne stecken.

      @ Grizzly: Auf Zewa saßen sie natürlich beide und Beschäftigung/ Verstecke und keinen Sichtkontakt hatten sie auch, das hab ich vergessen zu schreiben.
      @ Chawni: Danke für die Erklärungen, das klingt sehr sinnvoll. Werden wir bei der nächsten VG auf jeden Fall so machen! Und ja genau, er hat Metacam bekommen, sogar 2x am Tag und Orniflox als Antibiotikum und Päppelbrei und Wasser, alles von uns über eine Spritze ins Maul und Wärme durch Wärmflasche und Wärmelampe. Leider wurde es aber eher schlimmer als besser und er hat plötzlich nicht mehr abgeschluckt.
      @Remmidemmi und Orio: Ja, vermutlich hattet ihr Recht mit der Grunderkrankung. Leider ging es so schnell, dass wir das nicht mehr klären konnten.
      LG, Lia

      Edit: Oh und btw hab ich euch Quatsch erzählt- wir hatten beide schon fast 4 Jahre ist uns beim zurückrechnen aufgefallen. Wahnsinn, wie schnell das immer geht...

    • Ja, dann hat der Kleine sein Leben aber auch gelebt. Wenn eine Maus ihren 4. Geburtstag feiern darf, ist das schon was Außergewöhnliches.
      Wahrscheinlich hat der andere ihn verstoßen, weil er gemerkt hat, dass er bald stirbt. Auch das ist instinktgesteuert und nicht vorhersehbar: Manchmal werden kranke Mäuse aufopferungsvoll gepflegt, manchmal werden sie verjagt. Das hat wohl was damit zu tun, dass manche Krankheiten die Existenz des Clans bedrohen würden und andere nicht. Es wäre mal ein spannendes Forschungsprojekt, an welchen Kriterien die Mäuse das fest machen, aber ich vermute mal, am Geruch.

      Seid nicht traurig, er hatte ein schönes und langes Leben.