Landlärm oder kulturelles Gut?

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    • Landlärm oder kulturelles Gut?

      Hallo ihr Lieben,

      Ich möchte gerne über ein Thema informieren, dass mir persönlich wirklich sehr wichtig ist.

      Immer wieder kommt es vor das Menschen gegen Hahnengekrähe, Kuhgeruch, oder ähnliche Dinge die zur Tierhaltung im ländlichen Raum gehören gerichtlich vorgehen.

      Problematisch ist das ganze vorallem, weil die Erhaltungszucht von gefährdeten Nutztierrassen hauptsächlich durch Privatpersonen im kleinen Rahmen statt findet.

      Oftmals sorgt alleine die Androhung von rechtlichen Schritten oder Beschwerden von Anwohnern oder Kurgästen dazu, dass Betroffene schauen was sich machen lässt.

      In den meisten Fällen in denen es um Hühner geht bedeutet das, dass keine Hähne mehr gehalten werden. Fatal für den Rasseerhalt. Ich kenne viele Hühnerhalter die ihre Hühner erst nach 9 Uhr aus dem Stall lassen um die Morgenruhe nicht zu stören, oder die Hähne abschaffen. Doch oftmals reicht dies den Klagenden nicht.

      Und ein Hahn ist leider nun mal kein Mensch dem man sagen kann "Also von 9-12Uhr ist okay, aber danach halt mal bitte die Mittagsruhe ein." Und auch eine Henne gackert nunmal. Leider ist die gesetzliche Grundlage für Halter eher schwierig.

      Momentan ist eine Petition am Laufen die das Ziel hat, "ortsübliche Emissionen des Landlebens als kulturelles Erbe zu schützen".

      In Frankreich wurde übrigens am 21.1.21 ein Gesetzentwurf beschlossen "Zum Schutz des sinnlichen Erbes der Landschaft als Kulturgut". Landlärm ist somit nicht mehr als Lärm zu betrachten, sondern ein Kulturgut.

      Ich hoffe dass wir in Deutschland zu einem ähnlichen Ergebnis kommen. Falls ihr helfen wollt, hier der Link zur Petition:

      openpetition.de/petition/onlin…ulturelles-erbe-schuetzen

      Ansonsten würde es schon helfen, wenn wir dem Thema durch unsere Diskussionen etwas Raum im Bewusstsein der Menschen geben.


    • Manchmal kann ich aber auch die andere Seite verstehen. Wir wohnen unten an einem Hang, der Nachbar oben hat Hühner - nun keine besonderen, eben ganz normale Hühner, er lässt die in seinem Garten einfach laufen, der Stall ist nicht dunkel, sondern die Vorderfront ist aus Drahtgeflecht, eher also eine Voliere, nur im Winter wird das mit Holzplatten verschlossen. Der Hahn kräht so schon nachts um 1 in einem Abstand von wenigen Minuten - v.a. wenn der Besitzer mal wieder die stimmungsvolle Solargartenbeleuchtung einsetzt. Im Sommer kann man ohne Ohropax und geschlossenes Fenster nicht schlafen. Den Besitzer selbst stört es nicht, weil die Geräusche den Hang hinuntergehen, er oben drüber wohnt und so nichts hört.
      Und man kann nichts dagegen tun, weil es eben Landgeräusche sind???
      Ich habe nichts gegen Hähne, aber bitte nicht in der dunkelsten Nacht. Solche Tierhalter schaden allen anderen. Klar kann man seine Hühner nicht dauerhaft einsperren, aber es wäre schon mal schön, ungestört bis 7.00 schlafen zu können, ohne sich zu verrammeln. Ein Hund darf ja auch nicht die ganze Nacht durchbellen und ich muss auch schauen, dass meine Sittiche niemanden nerven.
      Ich denke gegenseitige Rücksichtnahme wäre hier angesagt und weder ein generelles Erlauben (wie hier in der Gemeindeordnung) noch ein generelles Verbot wie andernorts. Entschuldigt diese Worte, ich will niemanden auf die Füße treten.

    • Auch hier ist nicht alles so klar, wie es scheint - normal trägt doch nur die Leitkuh eine Glocke oder Kühe auf einer offenen Weidefläche, weil man sie eventuell suchen muss. So hat mir das zumindest der Bauer erklärt, dessen Kuh immer mit mir spazieren gegangen ist ^^
      Gegenseitige Rücksichtnahme hätte auch hier zum Erfolg geführt. Letztlich haben sie sich ja geeinigt (auf drei Glocken auf der strittigen Weide).

    • Aber dennoch ist es wichtig eine anständige rechtliche Grundlage zu schaffen.

      Ich persönlich denke, dass man als Halter erst einmal versuchen sollte alles mögliche zu tun, damit man die Nachbarn nicht stört.

      Bei Hühner und Hähnen kann man dass durch einen anständigen Stall sehr gut steuern. Stichwort, Schalldämmung und Steuerung von Helligkeit im Stall. Im Normalfall muss man als Hühnerhalter entweder den Stall morgens öffnen oder dies über eine Zeitschaltuhr steuern. Ein Hahn kräht im Dunkeln nicht. Das richtige Licht ist wichtig für Hühner aber auch hier könnte man sicher dafür sorgen das alles passt. Ich kenne Halter bei denen der Hahn seperat in einer Box übernachten darf. Abends kontrolliert ein Halter in der Regel sowieso seine Hühner, also kein großer Mehraufwand. Ich denke man sollte gerade wenn man im enger besiedelten Bereich wohnt, sollte man alles machbare zuerst versuchen.

      Und nochmal ganz kurz, eine gute rechtliche Grundlage ist wichtig. Ich denke ein Freifahrtschein für alle ist auch der falsche Weg. Aber als echt doofes Beispiel hier vor Ort, ein Gaststätte hat angebaut um deutlich mehr Hotelzimmer zu haben. Dazu gab es ein Schwimmbecken, eine Sauna und eine schöne Außenanlage. Einige Straßen weiter steht seit Ewigkeiten ein Hof mit Kühen. Bei ungünstigen Wind und Wetter wird der Geruch der Misthaufen in den Ort getragen. Gäste beschwerten sich. Ein kleiner Streit entstand. Zum Glück einigte man sich hier außer gerichtlich. Momentan sieht es so aus dass dem Bauer auf Kosten des Hotelbesitzers seinen Misthaufen "auslagern" wird.

      Doch auch hier, was wäre in einem Gerichtsstreit gewesen?

      Und nochmal, dass was mir Sorgen macht ist die Erhaltung alter Nutztierrassen. Ich finde es sollte wirklich eine gute gesetzliche Grundlage geschaffen werden...


    • Der Lärm durch Tiere stört mich persönlich eher weniger. Was mich viel eher nervt ist unnötige "Beschallung" durch landwirtschaftliches Gerät und sonstige Gerätschaften. Beispiel: Unser Nachbar arbeitet viel im Wald. Er sägt das Holz selbst und werkelt auch so viel draußen. Das geht bei gutem Wetter oftmals am Samstag von 7:00-22 Uhr oder auch unter der Woche tuckert der Traktor (da er z.B. Holz sägt und dieser die Säge antreibt) bis nach Einbruch der Nacht im Sommer. Wenn der Traktor nicht läuft, hantiert irgendwer in der Nähe mit einer Kettensäge, oder mäht den Rasen oder macht was mit dem Rasentrimmer.... Oder derzeit Renovieren/ Bauen so unheimlich viele Leute, das Neubaugebiet im Dorf liegt am benachbarten Hang, das schallt wunderbar zu uns. Bager, Laster, Presslufthammer... Prima. Im Prinzip haben wir von Montag 7:00-Samstag 22:00 Dauerbeschallung. Am Sonntag und auch Samstags rücken dann die Motorad- und Quadfahrer an, die munter den Hang zum Nachbardorf hoch und runter brettern. Das schallt bis zu uns, da das Haus auf dem gegenüberliegenden Berg zu dieser Straße liegt. Sonntags und auch nach Einbruch der Nacht nutzen die Hobbybauern das gute Wetter und mähen ihre Wiesen. Im Winter wurde einiges an Wald hinter dem Haus abgeholzt über Monate hinweg, ständig Kettensägen und die großen Fahrzeuge dazu. Kurz gesagt: Es ist so gut wie nie Ruhe! Egal ob im Sommer oder im Winter, unter der Woche oder am Wochenende. Irgend ein "Mensch" findet immer ein oder mehrere Geräte mit Motor, eben alles, was so richtig schön Krach macht.

      Über eine Kuhherde mit Glocke hinterm Haus oder Hühner in Nachbars Garten wäre ich deshalb sehr froh... Gänse haben wir im Ort, die höre ich ab und an schreien. Die finde ich witzig und hätte gerne selbst welche :D .

      In einem etwas weiter entfernten Dorf (20km) gab es jedoch einmal einen Rechtsstreit wegen krähender Hähne. Ein langjähriger Einwohner am Dorfrand hatte Hähne. Das Haus daneben wurde verkauft und der neue "städtische" Bewohner hat geklagt. Der Gerichtsentscheid war sinngemäß "auf dem Land hat's nunmal Hühner und Hähne, damit muss man rechnen in einem Dorf mit 300 Einwohnern". Pech gehabt für den Kläger :D