Gruppenhaltung

Gruppenhaltung

Gruppenhaltung

Bild: rennmaus.de 

Welche GruppengrĂ¶ĂŸe und welche Konstellation sind geeignet, um eine möglichst harmonische Gruppenhaltung zu erreichen?

Wer Meerschweinchen in grĂ¶ĂŸeren Gruppen bereits beobachten durfte, wird sehr schnell erfahren haben, dass diese Tiere ausgesprochen sozial und daher reine Gruppentiere sind. Oftmals muss die Lebensweise der Tiere in der Natur von der in Heimtierhaltung konsequent unterschieden werden.

Viele neue Heimtierhalter schauen nur oberflĂ€chlich hin, denken, eine Tierart lebt auf immer und ewig im Familienverband und alles ist gut. Bei vielen Tierarten ist dies nicht richtig - beim Meerschweinchen schon. Meerschweinchen fĂŒhlen sich in der Gruppe sicher, sie erleben den gesamten Tagesablauf mit ihren Artgenossen: Sie fressen zusammen, sie spielen zusammen, sie kommunizieren miteinander, sie gehen gemeinsam auf Entdeckungsreise.

Daher bitten wir alle Meerscheinchenbesitzer: Halten Sie Meerschweinchen nur in Gruppen!

Meerschweinchen sollten nur in reinen Artengruppen gehalten werden. Wir bitten von Experimenten durch die Bildung von „Notgemeinschaften“ zu Lasten der Tiere abzusehen. Auch der Mensch wird viel mehr Freude an einer reinen Artengruppe haben, da sich das artspezifische Verhalten der Tiere so wesentlich besser beobachten lĂ€sst!

GrundsĂ€tzlich ist zur Anzahl der Tiere innerhalb einer Gruppe anzumerken, dass Meerschweinchen in unbegrenzter Anzahl zusammenleben können, sofern die Gruppenzusammensetzung harmonisch ist und der zur VerfĂŒgung stehende Platz stimmt. Je grĂ¶ĂŸer die Gruppe, umso mehr Platz ist nötig. Bitte auch unsere Informationen zur Gruppenkonstellation (im folgenden Absatz), der Unterbringung und der GehegegrĂ¶ĂŸe beachten!

Gemischtgeschlechtliche Gruppen

In gemischtgeschlechtlichen Gruppen besteht das Problem des regelmĂ€ĂŸigen Nachwuchses, es sei denn, es handelt sich um beispielsweise mehrere Weibchen mit einem kastrierten Bock. Diese Konstellation entspricht, bis auf die Kastration, dem natĂŒrlichen Lebensstil der Tiere und fĂŒhrt zu einem normalen Sozialverhalten.

Eine ideale Meerschweinchengruppe besteht aus einem kastrierten Bock und drei bis fĂŒnf Weibchen. Voraussetzung fĂŒr eine solche GruppengrĂ¶ĂŸe ist, dass die Tiere in Bezug auf ihren Charakter zusammen passen.

Gemischte Gruppen mit mehreren Böcken

Manchmal wird empfohlen, auf eine bestimmte Anzahl Weibchen in einer bestehenden gemischten Gruppe einen weiteren Kastraten zu vergesellschaften. Das kann gut gehen, geht aber oft auch schief, da sich fĂŒr einen Bock der Versuch, den lĂ€stigen Konkurrenten zu vertreiben, immer lohnt. Wird ein solches Experiment gewagt ist es notwendig, sehr kritisch zu beobachten und den Gesundheitszustand und das Gewicht aller Tiere sehr engmaschig zu ĂŒberprĂŒfen. Dabei ist es notwendig, objektiv zu bleiben und das Verhalten nicht zu vermenschlichen. Bei deutlichen Anzeichen von Stress oder gar Bisswunden im RĂŒckenbereich muss eine Trennung vorgenommen werden.

Auch FrĂŒhkastraten sind keine Garantie fĂŒr die Harmonie in Gruppen mit mehreren Böcken.
Gruppen ab 20 Meerschweinchen oder mit mehreren Böcken neigen zur GrĂŒppchenbildung innerhalb der Meerschweinchengruppe, was wiederum zu Schwierigkeiten fĂŒhren könnte.
Bei Gruppen mit mehr als sechs Kastraten wird ĂŒber eine Verschiebung des Verhaltens berichtet. Den Böcken scheint bewusst zu sein, dass sie wenige Konkurrenten mit einer gehörigen Portion GlĂŒck vertreiben können, gegen so viel Konkurrenz aber dauerhaft keine Chance haben. Sie arrangieren sich mit dieser Haltung, versuchen oft ein paar eigene Weibchen zu ergattern, suchen sonst aber keinen Streit. DafĂŒr mĂŒssen aber alle Böcke möglichst gleichzeitig geholt werden und es sollten besser doppelt so viele Weibchen vorhanden sein. Es ist nicht einfach, spĂ€ter weitere Tiere dazu zu gesellen, jedes neue Weibchen bietet einen Anlass fĂŒr Streit. Diese Haltungsform sollte nur von sehr erfahrenen Haltern mit entsprechenden Möglichkeiten was Platz, Trennungen von UntergrĂŒppchen und Tierarztkosten angeht gewagt werden.

Reine Weibchengruppen

Weibchen können sich prima verstehen, können aber auch innerhalb der Gruppe zickig werden. Ein kastrierter Bock bringt oft Ruhe in eine unruhige Weibchengruppe.

Die meisten Verhaltensstörungen treten in reinen Weibchengruppen auf. Auch Eierstockzysten sind bei Haltung ohne sexuell aktiven Kastraten besonders hÀufig.

Reine Bockgruppen

Bei der Bockgruppenhaltung muss einiges beachtet werden, da sie nicht der natĂŒrlichen Lebensweise entspricht. Auch sind nicht alle Tiere gleichermaßen gut sozialisiert. Eine reine Böckchengruppe erfordert somit viel Erfahrung und sollte nur im Notfall einer anderen Konstellation vorgezogen werden. Je grĂ¶ĂŸer eine Böckchengruppe ist, umso mehr Streitpotential bietet sie. Eine Zweiergruppe funktioniert in der reinen Bockgruppenhaltung am ehesten, allerdings werden Meerschweinchen in Zweiergruppen oft trĂ€ge. Drei Böcke sind die instabilste mögliche Haltungsform und sind nur im Ausnahmefall dauerhaft harmonisch. Bei der reinen Bockgruppenhaltung mĂŒssen dringend einige Regeln beachtet werden, die wir gerne auf einer separaten Informationsseite erlĂ€utern.

Bei allen Gruppen ist es wichtig, dass die Tiere eine ausreichende Sozialisierung genießen durften. Das Sozialverhalten wird von den Eltern oder anderen erwachsenen Meerschweinchen innerhalb der Gruppe erlernt. Junge Meerschweinchen sollten daher nicht vor der zehnten Lebenswoche von den erwachsenen Tieren getrennt werden. Eine gute Sozialisierung ist die entscheidende Grundlage fĂŒr das gesamte weitere Sozialverhalten des Tieres und entscheidet somit neben einer guten Gesundheit ĂŒber dessen LebensqualitĂ€t! 

Wie bereits erwĂ€hnt sind grĂ¶ĂŸere Gruppen, die aus einem kastrierten Bock und mehreren Weibchen bestehen, am sinnvollsten in der Meerschweinchenhaltung. 

Reine Bockgruppen erfordern besonders gute Meerschweinchenkenntnisse des Halters. Gruppen von mehr als zwei Tieren benötigen aufgrund eines gesteigerten Streitpotentials rund um die Rangordnung wesentlich mehr Platz.

Reine Weibchengruppen können funktionieren, sind allerdings oft unruhig. Hier schafft eine Vergesellschaftung zu einem kastrierten Böckchen Abhilfe. 

Ob Böckchen oder Weibchen, Meerschweinchen haben keinen geschlechtsspezifischen Geruch, auch ihr Sozialverhalten ist nicht geschlechtsabhÀngig.

Gemischtgeschlechtliche und nicht kastrierte Haltung birgt ein gewisses Nachwuchsproblem: Bei einer durchschnittlichen WurfgrĂ¶ĂŸe enstehen nach einem Jahr aus nur zwei Elterntieren ĂŒber 150 Meerschweinchen! Auch ist nicht jedes Tier zur Zucht geeignet. Des weiteren ist eine erste TrĂ€chtigkeit fĂŒr Weibchen ĂŒber einem Jahr zu vermeiden, da in diesem Alter das Becken verknöchert und dies unter einer Geburt tödlich enden kann. Aus diesem Grund sollte ein Meerschweinchenweibchen ĂŒber einem Jahr nicht mehr werfen mĂŒssen.

Gemischtgeschlechtliche Haltung unkastrierter Tiere ist somit fĂŒr den Heimtierhalter nicht ratsam.

Zwei Meerschweinchen sind grundsĂ€tzlich besser als ein Meerschweinchen. Meerschweinchen brauchen Artgenossen, um sich wohl zu fĂŒhlen. Je mehr Meerschweinchen in geeigneter Konstellation zusammenleben, desto höher ist das Wohlbefinden, da eine große Gruppe der natĂŒrlichen Lebensweise am nĂ€chsten ist. Voraussetzung hierfĂŒr ist selbstverstĂ€ndlich ein ausreichend großes Gehege.

Ja, es kann, allerdings ist eine solche Haltung ĂŒberhaupt nicht zu empfehlen – im Gegenteil. Kaninchen und Meerschweinchen werden sich vermutlich dulden, aber...

  • ...das Kaninchen wird das Meerschweinchen bedrĂ€ngen, besteigen und somit unter erheblichen Stress stellen
  • ...die beiden Tierarten sprechen eine andere Sprache: Kaninchen könnten sich somit niemals mit Meerschweinchen „unterhalten“, andersherum ebenso wenig, wodurch MissverstĂ€ndnisse entstehen werden
  • ...beide haben völlig andere Verhaltensmuster und werden immer wieder Verhalten des anderen Tieres fehldeuten, was wiederum zu Stress und Angst fĂŒhrt
  • ...Kaninchenweibchen können durch die bloße Anwesenheit von Meerschweinchen scheintrĂ€chtig werden
  • ...Meerschweinchen betreiben kaum soziale Fellpflege und kuscheln nicht, nutzen aber gerne den Service durch die Kaninchen, die diese "Unhöflichkeit" oft nicht tolerieren
  • ...Erheblicher GrĂ¶ĂŸenunterschied birgt das Risiko von UnfĂ€llen, wenn die Kaninchen Haken schlagen
  • ...Kaninchen und Meerschweinchen benötigen einen teilweise abweichenden Speiseplan: Nicht immer ist das GemĂŒse, das das Meerschweinchen vertrĂ€gt und gerne frisst, auch fĂŒr das Kaninchen geeignet
  • ...sie haben unterschiedliche AktivitĂ€tsphasen. Kaninchen sind meist dĂ€mmerungs- und nachtaktiv, wĂ€hrend das Meerschweinchen dann schon schlĂ€ft
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