Verhalten

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Verhalten

Bild: rennmaus.de 

Was bedeuten die glucksenden Geräusche? Welches Verhalten ist normal und welches auffällig? Hier wird es erklärt.

Meerschweinchen zeigen ein sehr komplexes und interessantes Sozialverhalten. An der Universit√§t M√ľnster wird sogar das Sozialverhalten von Meerschweinchen erforscht, um von ihnen R√ľckschl√ľsse auf andere in Gruppen lebende Tiere, beispielsweise Pferde, ziehen zu k√∂nnen. Einige der Informationen auf diesen Seiten sind von diesen Forschungen mitbestimmt.

Meerschweinchen sind typische Beutetiere, die immer auf der Hut vor Raubtieren sein m√ľssen. Das spiegelt sich deshalb deutlich in ihrem Verhalten wider: 

Meerschweinchen sehen vor allem Bewegungen in einigen Metern Entfernung sehr gut und suchen beim kleinsten Zweifel sofort Deckung. Daher sind zahlreiche Versteckm√∂glichkeiten im Gehege sehr wichtig. Aufgrund ihres ausgepr√§gten Fluchtverhaltens lassen sie sich ungern einfangen und hochnehmen. 

Auch dem Verhalten der Tiere innerhalb der Gruppe sind die Fluchtinstinkte anzumerken, denn  oft bleibt ein Meerschweinchen aus der Gruppe wach und aufmerksam, w√§hrend alle anderen schlafen oder fressen. Beim Auslauf und dem Erkunden neuer Gebiete laufen sie im G√§nsemarsch hinter dem Bock her, der im Notfall auch seine Weibchen verteidigt. Disziplin zur Vorbeugung von Gefahrensituationen ist sehr wichtig f√ľr die Gruppe, kleinere Streitigkeiten werden daher schnell beigelegt. 

Meerschweinchen untereinander achten darauf, sich auch bei ernsteren Streitigkeiten nicht zu verletzen bzw. f√ľgen sich meist nur oberfl√§chliche, ungef√§hrliche Wunden zu, die problemlos abheilen. Ein ernsthaft verletztes Tier k√∂nnte die ganze Gruppe angreifbar machen. Richtige Besch√§digungsk√§mpfe, die darauf abzielen, dem anderen Wunden zuzuf√ľgen, kommen eher zwischen erwachsenen B√∂cken oder bei verhaltensgest√∂rten Tieren vor. Solche ernsthaften K√§mpfe sind sehr selten und auch bei normalen Zusammenf√ľhrungen nicht akzeptabel.

Um Besch√§digungsk√§mpfe zu vermeiden, haben Meerschweinchen ein ritualisiertes Drohverhalten, das ihrem Gegen√ľber in mehreren Abstufungen zeigt, wie weit er gehen darf und wann er besser den R√ľckzug antreten sollte.

  • Brommseln ist ein tiefes, lang gezogenes ‚Äěrrrrrrrrrrrrrrrrr‚Äú in Verbindung mit einem Wiegeschritt, das vor allem B√∂cke anwenden. Es soll zeigen, dass der brommselnde Bock gro√ü, stark und beeindruckend ist. Als Drohgeb√§rde wird das Brommseln vor allem eingesetzt, um streitende Weibchen zu beruhigen und f√ľr Frieden in der Gruppe zu sorgen. Auch B√∂cke untereinander brommseln, hier vor allem, um das Gegen√ľber zu beeindrucken.
  • Muckernde T√∂ne sollen meistens andere Meerschweinchen dazu auffordern, das muckernde Tier in Ruhe zu lassen. Manche Menschen verstehen das als Wohlf√ľhlen falsch, eigentlich soll es nur hei√üen ‚ÄěIch hab Angst, bitte lass mich in Ruhe‚Äú
  • Z√§hneklappern ist eine deutliche Drohung von Tieren, die sich in die Enge getrieben f√ľhlen, es erfolgt als unmittelbare und letzte Warnung vor dem Zubei√üen.
  • Kopfschlagen kann oft beim Streit um Futter und Schlafpl√§tze beobachtet werden und soll ein anderes Meerschweinchen vertreiben. Oft wird es auch von rangniederen Tieren angewendet, die einen h√∂heren Rang anstreben
  • Jagen ist ein wichtiges Mittel, um klar zu stellen, wem ein Schlafplatz geh√∂rt oder um nervende Artgenossen zu vertreiben. Hierbei wird meistens nur eine kurze Strecke gejagt und das unterlegene Tier dann ziehen gelassen. Dabei zeigt sich, wie notwendig gro√üe Gehege sind, um Meerschweinchen als harmonische Gruppe zu halten.
  • Bisse in Gesicht und Ohren sind nicht ernst gemeint sondern eher eine harmlose Warnung, wenn Tiere sehr aufm√ľpfig sind. Vor allem in Vergesellschaftungsphasen oder gegen√ľber pubertierenden Jungtieren kommt das h√§ufig vor. Sind solche Bisse allerdings √ľber l√§ngere Zeitr√§ume an der Tagesordnung, sollte beispielsweise in Foren nach den Ursachen geforscht und L√∂sungsvorschl√§ge gesucht werden.
  • Bisse in R√ľcken und Hinterteil sind dagegen wirklich ernst zu nehmen. Vor allem wenn ein Tier gejagt, aber nicht von ihm abgelassen wird. Auch in zu kleinen Gehegen oder Sackgassen kommt es zu solchen Bissen. Solche Bisse f√ľhren leider h√§ufig zu eitrigen Entz√ľndungen und sollten daher gut beobachtet werden. Werden derartige Verletzungen h√§ufig entdeckt, sollte die Zusammenstellung der Gruppe dringend √ľberdacht werden. Ein gut betreutes Forum kann den Erfahrungsaustausch und die Beratung durch erfahrene Halter bieten
  • Bei richtigen Besch√§digungsk√§mpfen rollen die Tiere als ineinander verbissene Fellkugel durchs Gehege. Hier darf aufgrund der gro√üen Verletzungsgefahr niemals mit blo√üen H√§nden eingegriffen werden. Solche K√§mpfe kommen nur selten vor und haben meist eine Vorgeschichte, beispielsweise den Versuch, unpassende Tiere zu vergesellschaften. Bei einem solchen Verhalten muss gut beobachtet werden, ob die zum Streit gef√ľhrte Situation danach gekl√§rt ist. Bei wiederholten K√§mpfen sollten die Tiere sofort getrennt, auf Verletzungen untersucht und der Kontakt zu Experten aufgenommen werden.

Sexual- und Werbeverhalten

  • Das Wichtigste ist auch hier das Brommseln, mit dem der Bock seinem Weibchen zeigen m√∂chte, wie gro√ü, stattlich und sexy er ist.
  • Auch Weibchen zeigen ihre Bereitschaft an, indem sie dem Bock ihre Sexualorgane zeigen und ihn daran riechen lassen. Kurz bevor der Bock aufsteigen darf, besteigen viele Weibchen ihre weiblichen Gruppenmitglieder. Wenn das nur ein f√ľr ein paar Stunden alle paar Wochen auftritt, ist es normal
  • Ist das Weibchen nicht zum Geschlechtsakt bereit, l√§uft es davon. Wenn das Fortlaufen nicht ausreicht, um den Bock von seinem Vorhaben abzubringen und er sie weiterhin bel√§stigt, wird sie ihm einen gezielten Strahl Urin ins Gesicht spritzen. Sollte auch das keine Wirkung zeigen, kann sie auch mit dem Hinterfu√ü nach ihm treten
  • Der eigentliche Akt dauert nur wenige Sekunden und ist sehr unspektakul√§r, aber sehr wichtig, damit beim Weibchen der Eisprung richtig erfolgt. Auch kastrierte B√∂cke besteigen ihre Weibchen.

Freundliches Verhalten untereinander

  • Meerschweinchen betreiben keine ausgiebige soziale Fellpflege, putzen aber gerne Artgenossen an Ohren und Augen oder k√ľmmern sich um schuppige Stellen.  Am wohlsten f√ľhlen sich befreundete Meerschweinchen, wenn sie einfach nur mit ein paar Zentimetern Abstand nebeneinander liegen k√∂nnen. Deswegen sollten einige Verstecke und H√§user gro√ü genug sein, damit mehrere Tiere darin Platz finden. Bei drei Meerschweinchen reichen oft 30 x 30 cm aus, sind mehr Tiere vorhanden, empfehlen sich Stand-Etagen, um darunter zu liegen. Gekuschelt wird dabei nicht, aber in der N√§he wollen sie gerne sein.
  • Meerschweinchen fressen gerne in Gesellschaft und klauen sich dabei auch das Futter aus dem Mund. Das ist nicht ernst gemeint, sondern eher nett gemeintes Necken, solange nicht ein Tier von der Futterstelle verjagt wird. Es hilft sehr, auf N√§pfe zu verzichten und Futter stattdessen in der Einstreu zu verteilen.
  • Jungtiere haben von Anfang an ihren Platz in der Gruppe und sollten daher in der Gruppe aufwachsen. Alle Tanten und sogar der Bock helfen bei der Aufzucht und Erziehung.
  • Die Babys geben mit charakteristischen T√∂nen ihrer Mutter zu erkennen, wo sie sich gerade aufhalten. Das behalten sie √ľber die ersten vier bis sechs Lebensmonate bei und quasseln ununterbrochen, um jeden ihrer Schritte zu verk√ľnden.
  • Etwa jede Stunde wird schrill gequietscht. Deutlich erkennbar ist die Verwandtschaft dieses Lautes mit dem Futterquieken gegen√ľber dem Menschen. Die Mutter f√ľhrt ihre Jungen dann in eine stille Ecke um sie zu s√§ugen, danach putzt sie ihnen den Po, um sie zu Urin- und Kotabsatz anzuregen.
  • Wenn die Jungtiere gro√ü genug sind, werden sie h√§ufiger als zuvor von der Mutter abgewiesen. Die Mutter geht zunehmend eigene Wege. Bleiben Jungtiere auch √ľber den dritten Lebensmonat hinaus in der Gruppe, gibt es keine Unterschiede mehr im Verhalten gegen√ľber der Mutter oder gegen√ľber anderen Weibchen. In engen Gehegen k√∂nnen die Jungtiere regelrecht vertrieben werden
  • Im Alter von etwa drei Wochen fangen Jungb√∂cke an, sich sexuell zu verhalten, Mutter und Schwestern zu besteigen und zu brommseln. Hier sollte man mit der Unterst√ľtzung eines erfahrenen Tierarztes √ľberpr√ľfen, ob die Hoden schon in den Hodensack abgestiegen sind und die Jungb√∂cke sp√§testens mit einem Gewicht von 250 g von den Weibchen getrennt oder fr√ľh kastriert werden.

Meerschweinchen, die sehr zusammengekauert da sitzen, angespannt wirken und nicht sofort reagieren, wenn es plötzliche Bewegungen gibt, sollten sofort einem Tierarzt vorgestellt werden.
Auch Z√§hneknirschen ist ein Anzeichen f√ľr extrem starke Schmerzen. Bei knackenden Atemger√§uschen kann eine Lungenentz√ľndung der Ausl√∂ser sein. 

Kommen Meerschweinchen nicht zum Fressen oder wirken sie apathisch, sollte ebenfalls umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden. Sind sie aber bereits schlapp ohne K√∂rperspannung oder v√∂llig regungslos, kann ein Tierarzt meist auch nicht mehr helfen. Dann sollte man ihnen eher die M√∂glichkeit geben, in Ruhe zwischen ihren Lieben sterben zu d√ľrfen. 

Zeigen Weibchen deutliches Bockverhalten auch au√üerhalb ihrer hei√üen Tage, ist das ein Hinweis auf Eierstockzysten. 

Manchmal geben Meerschweinchen zirpende Geräusche von sich, die an Vogelzwitschern erinnern und dem Stressabbau dienen. Sollte ein solches Zwitschern öfter vorkommen, empfiehlt es sich, mit Hilfe von Experten auf Ursachenforschung zu gehen. Auch hier bietet sich ein gut betreutes Forum an.

Das h√§ufigste dem Menschen gegen√ľber angewandte Verhalten ist das Futterquieken, das eine Abwandlung des Bettelgeschreis gegen√ľber der s√§ugenden Mutter darstellt. Oft werden auch Drohverhalten wie Z√§hneklappern oder Kopfschlagen beobachtet, insbesondere wenn man sie anfassen will. Als Fluchttiere hassen sie es, gefangen zu werden und schreien dabei laut und schrill um ihr Leben. Einmal w√∂chentlich m√ľssen sie dennoch gefangen werden, um sie beim regelm√§√üigen Gesundheitscheck zu wiegen und bei Bedarf Krallen und Haare zu k√ľrzen.

Brommseln wird in Gegenwart eines Menschen nur selten angewandt. Manche Meerschweinchen nutzen statt Futterquieken ein Z√§hneklappern, um mitzuteilen, dass sie Hunger haben ‚Äď eine eher unh√∂fliche Aufforderung, endlich etwas zu Futtern zu geben.

Wenn Meerschweinchen beim Streicheln Laute von sich geben, sind das in aller Regel Beschwichtigungslaute, die ausdr√ľcken, dass das Tier gro√üe Angst hat. Meerschweinchen, die sich auf dem Scho√ü wohl f√ľhlen, ziehen eher los und erkunden die Umgebung, bleiben aber nicht ruhig sitzen.

Sollte ein Tier auf dem Scho√ü urinieren oder gar einschlafen, zeigt es an, dass es mit seinem Leben schon komplett abgeschlossen hat und bereit ist zu sterben ‚Äď das will sicher niemand seinem Tier antun.

Gebissen werden Menschen normalerweise nicht. H√∂chstens ein leichtes Knabbern beim Krallenschneiden oder Streicheln kann vorkommen. Nur wenn der Finger mit einem St√ľck Gurke verwechselt wird oder wenn zwischen k√§mpfende Meerschweinchen gegriffen wird, kann auch der Halter ernsthaft verletzt werden.

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