Kastration

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Kastration

Bild: rennmaus.de 

Die Kastration von Meerschweinchenb√∂cken ist sinnvoll, wenn sie mit Weibchen gehalten werden. Doch auch in reinen Bockgruppen k√∂nnen Fr√ľhkastrationen f√ľr eine harmonische Gruppe sorgen, w√§hrend Kastrationen bereits geschlechtsreifer B√∂cke innerhalb einer reinen Bockgruppe zur Wiederherstellung des Gruppenfriedens eher aussichtlos sind. Dieser Artikel enth√§lt alle wichtigen Informationen rund um Kastrationen.

Bei Meerschweinchen ist die Kastration von Böcken oft nicht vermeidbar. Um in einer Gruppe mit Weibchen zusammen zu leben ist die Kastration zur Vermeidung einer ständigen Vermehrung nötig, aber auch in Bockgruppen kann eine Kastration absolut ratsam sein.

Es werden Fr√ľhkastration und normale Kastration bereits geschlechtsreifer B√∂cke unterschieden.

Nachdem Meerschweinchenb√∂cke schon ab einem Gewicht von 250g fruchtbar sein k√∂nnen, k√∂nnen junge B√∂ckchen schon vor diesem Gewicht kastriert werden. Das hat den gro√üen Vorteil, dass sie bei Mutter und Schwestern bleiben k√∂nnen und somit keine Trennung notwendig wird. Besonders bei unerwartetem Nachwuchs ist dies empfehlenswert, wenn keine M√∂glichkeiten vorhanden sind, den Jungb√∂cken bei eintretender Geschlechtsreife zu einem oder mehreren erwachsenen B√∂cken zu vergesellschaften. Nicht empfehlenswert ist eine Vergesellschaftung zu einer funktionierenden Zweier-Bockgruppe, diese w√ľrden um die Jungb√∂cke konkurrieren und sich dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit dauerhaft zerstreiten. In gr√∂√üeren Bockgruppen oder mit einem einzelnen Bock, etwa dem Kastraten einer Weibchengruppe, klappt es erfahrungsgem√§√ü besser. 

Die Entwicklung bereits fr√ľh kastrierter B√∂cke kann nicht immer vorhergesagt werden. Manche werden trotz einer Kastration zu Machos, andere sind zur√ľckhaltender und kommen gut in Gruppen mit weiteren B√∂cken zurecht. 

Wichtig ist gerade bei Fr√ľhkastrationen, dass der Patient kerngesund ist. In diesem Alter ist Parasitenbefall sehr h√§ufig und erh√∂ht das Narkoserisiko unn√∂tig. Manchmal ist es auch etwas schwierig, einen Tierarzt f√ľr die Durchf√ľhrung einer Fr√ľhkastration zu finden. Dadurch dass die Hoden noch nicht abgestiegen sind, muss der Tierarzt einen speziellen Griff anwenden, den leider nicht jeder Tierarzt beherrscht, technisch ist es sonst aber kein Problem. Eventuelle Bedenken wegen Missbildungen haben sich nicht best√§tigt, in der Schweiz ist die Fr√ľhkastration schon seit Jahren ein komplikationsloses Standardverfahren.

Die normale Kastration findet ab einem Gewicht von 300 g statt, viele Tier√§rzte kastrieren auch erst sp√§ter, was eigentlich nicht notwendig ist, denn das Narkoserisiko gesunder Meerschweinchen ist nicht vom Alter abh√§ngig bzw. wird von j√ľngeren Tieren meist besser verkraftet. Oft liegt der Grund f√ľr die Ablehnung einer Fr√ľhkstration in schlecht zu erkennenden Hoden und dadurch erheblich erschwerter Arbeit und zus√§tzlichem Aufwand f√ľr den Tierarzt.

Nach einer normalen Kastration muss der Bock mindestens sechs Wochen von allen Weibchen getrennt bleiben, bis er sicher nicht mehr fruchtbar ist. Die Gesellschaft anderer B√∂cke hingegen ist zur Vermeidung von Vereinsamung f√ľr einen Kastraten wichtig.

Wichtig ist zuerst die Wahl der Narkosemethode. Diese sollte bei einem Vorgespr√§ch unbedingt angesprochen werden. Viele Tier√§rzte verwenden als Standard die Injektionsnarkose trotz des h√∂heren Risikos, teilweise sogar bei Operationen am sp√§ten Nachmittag. F√ľr den Ablauf in der Tierarztpraxis ist diese Methode praktischer, weil die Patientenbesitzer w√§hrend der einige Stunden andauernden Nachschlafphase heim geschickt werden k√∂nnen und nicht nerv√∂s im Wartezimmer sitzen. Das rechtfertigt aber kein erh√∂htes Risiko.

Inhalationsnarkose ist die schonendste Methode, die sich auch f√ľr √§ltere, angeschlagene oder Jungb√∂cke am besten eignet. Das Meerschweinchen ist danach sofort wieder wach. 

Injektionsnarkose mit anschließendem Aufwecken ist auch schonend, insbesondere weil sie direkt aufgeweckt werden und gleich wieder fressen können.

Am h√§ufigsten wird wohl eine normale Injektionsnarkose verwendet, bei der die Meerschweinchen noch mehrere Stunden danach schlafen. Der Vorteil ist, dass sie dabei die schmerzhafteste Phase einfach verschlafen. Die Belastung f√ľr den Kreislauf und die Leber hingegen ist deutlich erh√∂ht. Eine solche Narkose sollte nur bei wirklich fitten B√∂cken zwischen f√ľnf Monaten und drei Jahren gemacht werden, die zudem ein gutes Gewicht haben, ohne zu dick zu sein. Eine vorherige gr√ľndliche Untersuchung, die dem Ausschlu√ü eventueller Herzfehler oder Vorerkrankungen dient, ist dringend n√∂tig und wird von jedem Tierarzt durchgef√ľhrt. Injektionsnarkosen sollten unbedingt fr√ľh morgens gemacht werden, nachmittags und abends ist der Kreislauf nicht mehr stabil genug. 

Solange der Bock noch nicht ganz wach ist, sollte er auf gar keinen Fall transportiert werden. Will ein Tierarzt einem ein schlafendes Tier mitgeben, muss die √úbergabe unbedingt verweigert werden. Meerschweinchen k√∂nnen ihre K√∂rpertemperatur unter einer Narkose nicht regulieren und brauchen exakt 38,5 Grad. Das kann der normale Halter nicht gew√§hrleisten, sie w√ľrden immer zu warm oder zu kalt gelagert werden. Noch dazu sollten sie alle paar Minuten gedreht werden, damit die Lunge gleichm√§√üig bel√ľftet wird. 

Der Eingriff selbst ist zwei winzige Schnitte in den Hodensack. Danach werden die Hoden entnommen. Das Operationsgebiet wird sorgfältig vernäht. Die Operation dauert nur wenige Minuten, was wiederum gegen eine Injektionsnarkose spricht, die viel länger wirkt als notwendig und sinnvoll.

Die Kosten einer Kastration

Nach GOT kostet eine Kastration 35 Euro, der dreifache Satz ist erlaubt. Oft lohnt es sich, mehrere Tierärzte nach ihren Preisen und Narkosemethoden zu Fragen, bei Inhalationsnarkose kostet es oft ein wenig mehr, aber das geringe Risiko ist den Preis wert.

Sobald ein Meerschweinchen richtig wach und aktiv ist, kann es abgeholt werden, bitte niemals noch schlafende Tiere transportieren! Ist der Patient nach mehreren Stunden nicht wieder wach sollte er geweckt werden. Futter darf sofort wieder gegeben werden.

Meerschweinchen sollten direkt nach Operationen auf sauberen T√ľchern statt auf Streu gehalten werden, damit keine Einstreukr√ľmel in die Wunde gelangen. Es empfiehlt sich gerade bei B√∂cken, alle Gruppenmitglieder an einem Tag kastrieren zu lassen, damit alle die gleichen Vorraussetzungen haben. Dies bedeutet deutlich weniger Stress und keinen Grund, Streit anzufangen, insbesondere wenn der Chef der Gruppe noch m√ľde ist kommen sonst unterlegene B√∂cke auf die Idee, seinen Rang streitig zu machen. 

Sieben bis zehn Tage nach der Kastration werden wenn n√∂tig die F√§den gezogen. Der Halter muss die Wunde t√§glich kontrollieren und insbesondere auf R√∂tungen, Schwellungen, Beulen oder n√§ssende Stellen achten. Im Zweifelsfall sollte der Tierarzt die Operationswunde begutachten. Auch noch mehrere Wochen nach der Kastration k√∂nnen sich Abszesse bilden. Daher sollte die Wundregion zwei Mal w√∂chentlich √ľber einen Zeitraum von mindestens sechs Wochen nach der Operation kontrolliert und das Meerschweinchen gewogen werden.

Entz√ľndungen sind eher selten, k√∂nnen aber vorkommen. Gerade etwas √§ltere B√∂ckchen haben an ihren Hoden Fettk√∂rper, die sauber entfernt werden m√ľssen, andere vertragen selbstaufl√∂sende F√§den nicht und entwickeln Abszesse. Auf diese F√§den kann verzichtet werden, mit Gewebekleber und sogar ganz offenen Kastrationswunden wurden schon sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch das sollte vor der Operation angesprochen werden. Bei B√∂cken unter einem Jahr sind Entz√ľndungen deutlich seltener. Die Narkose wird meist gut vertragen, jeder Tierarzt wird seine Narkosearten vorstellen. Bei Bedenken sollte unbedingt eine Inhalationsnarkose gew√§hlt werden.

Ist das frisch kastrierte Meerschweinchen in irgendeiner Weise auff√§llig, sei es im Verhalten, dem Fressverhalten, verringert sich das Gewicht erheblich, zeigt das Tier deutliche Zeichen von Schmerz oder ist das Aussehen des Operationsgebiets unnat√ľrlich, sollte immer ein Tierarzt hinzugezogen werden.

Weibliche Meerschweinchen sollten nur dann kastriert werden, wenn es zwingend notwendig ist: Etwa nach einem Kaiserschnitt oder wenn andere Behandlungsmöglichkeiten von Eierstockzysten bereits ausgeschöpft sind. Die Kastration von Weibchen ist eine sehr große und sehr riskante Operation, bei der der Bauchraum geöffnet werden muss. Oft kommt es danach noch zu größeren Blutungen und Futterverweigerung durch die starken Schmerzen.

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