Verhalten

Verhalten

Verhalten

Bild: Lionne 

RennmĂ€use sind sehr soziale Tiere und leben in freier Wildbahn in FamilienverbĂ€nden. Deswegen dĂŒrfen sie auch in Gefangenschaft nie allein gehalten werden.

Die Tiere einer Gruppe machen fast alles gemeinsam, sie spielen miteinander, putzen sich gegenseitig, schlafen und fressen gemeinsam oder laufen sogar gleichzeitig im Rad. Dennoch hat jede Rennmaus charakterliche Eigenheiten, manche sind schĂŒchtern, andere dagegen neugierig.

Der Geruch als gruppenbildendes Element

Bild: rennmaus.de

Kenne ich dich? Lass mal an dir schnuppern!

RennmĂ€use haben einen sehr ausgeprĂ€gten Geruchssinn. Er ist vor allem wichtig, um andere Gruppenmitglieder zu erkennen. Jede Gruppe hat ihren ganz eigenen Geruch, der auch ihr Territorium prĂ€gt. Die RennmĂ€use markieren ihre Mitbewohner und ihr Heim mit der sich am Bauch befindlichen DuftdrĂŒse, damit alles den gleichen Geruch hat. Fremde werden sofort erkannt und gnadenlos verjagt oder sogar attackiert. Das gilt nicht nur fĂŒr RennmĂ€use, auch die Hand eines Menschen kann angegriffen werden, beispielsweise, wenn eine andere Seife benutzt wird.

Die Wichtigkeit des Gruppengeruchs ist auch gut zu erkennen, wenn eine Maus fĂŒr ein paar Minuten aus der Gruppe genommen und dann wieder zurĂŒckgesetzt wird. Die zurĂŒckgesetzte Maus wird sofort an der Nase und, wenn das nicht reicht, am Hinterteil beschnĂŒffelt. Werden die RennmĂ€use fĂŒr lĂ€ngere Zeit getrennt, erkennen sie das herausgenommene Tier nicht mehr als ein Mitglied der Gruppe und es wird wie ein fremdes verjagt. Dabei ist es egal, ob es sich um eine Familie oder vergesellschaftete Tiere handelt. Aus diesem Grund sollte immer die gesamte Gruppe beisammen bleiben, beispielsweise bei einem Tierarztbesuch.

Eine Rennmausgruppe besitzt eine strenge Rangordnung, die teilweise auch fĂŒr Menschen ersichtlich ist. Das ranghöchste Tier darf zuerst fressen, den anderen sogar das Futter aus Pfoten oder Maul stehlen, und es weist andere Gruppenmitglieder zurecht.

Im Laufe der Zeit kann sich die Rangordnung innerhalb der Gruppe Ă€ndern, beispielsweise, wenn das ranghöchste Tier alt oder krank wird. Außerdem testen junge RennmĂ€use gern ihren Platz in der Gruppe aus und versuchen, das Alphatier abzulösen. In der Regel geschieht das mit der Geschlechtsreife oder im sogenannten „Flegelalter“ zwischen sechs Monaten und einem Jahr.

Sichtbar wird RangordnungsklĂ€rung vor allem durch das „Bespringen“ der anderen RennmĂ€use, um diese zu markieren. Im schlimmsten Fall kann dies aber in Streitereien oder sogar Beißereien enden und sollte immer gut beobachtet werden.

Fiepen

Untereinander verstĂ€ndigen sich RennmĂ€use meist mit Fieptönen, die fĂŒr das menschliche Ohr oftmals nicht wahrnehmbar sind. Zu hören sind diese Töne aber hĂ€ufig, wenn die RennmĂ€use sich gegenseitig putzen, bei Vergesellschaftungen oder Streitereien.

Auch die Körpersprache spielt eine wichtige Rolle. Untergebene RennmĂ€use legen sich vor die ranghöhere, um ihre Unterwerfung auszudrĂŒcken – und sich putzen zu lassen. Auch das spielt bei der Vergesellschaftung eine entscheidende Rolle. 

Boxen

Bild: rennmaus.de

KlÀrung der Rangordnung: Fiepen, boxen, Schwanz wedeln, trommeln, besteigen.

Ebenfalls zur KlĂ€rung der Rangordnung und vor allem wĂ€hrend der Vergesellschaftungsphase zu beobachten ist ein gegenseitiges „Beboxen“: Die RennmĂ€use stellen sich dabei auf die Hinterpfoten und „boxen“ sich gegenseitig mit den Vorderpfoten.

Schwanzwedeln

Hin und wieder lÀsst sich bei RennmÀusen das sogenannte Schwanzwedeln beobachten. Dabei stellen sich die Tiere meist auf die Hinterpfoten und verharren ruhig in dieser Position, nur der Schwanz bewegt sich ruckartig von einer Seite zur anderen.
Zu deuten ist dieses Verhalten je nach Situation als positive oder negative Aufregung und angespannte Aufmerksamkeit. Ein blitzschnell hin und her peitschender Schwanz drĂŒckt Aggression aus. Zeigt eine Rennmaus, beispielsweise bei einer Vergesellschaftung eine solche DrohgebĂ€rde, ist Vorsicht geboten.

Trommeln

Um sich gegenseitig vor Gefahr zu warnen, stellen sich RennmÀuse auf die Vorder- und trommeln mit den Hinterpfoten. Durch die dadurch entstehenden Schwingungen werden andere RennmÀuse gewarnt, um sich verstecken zu können. In Gefangenschaft passiert das hÀufig, wenn die Tiere in fremder Umgebung sind und sich erschrecken, beispielsweise vor GerÀuschen oder ruckartigen Bewegungen.

Das Trommeln wird nicht nur zur Warnung, sondern auch bei der Paarung in der Umwerbungsphase eingesetzt. Das Verhalten bei der Paarung wird in einem anderen Artikel nÀher erlÀutert.

Besteigen

Das gegenseitige Besteigen ist bei RennmÀusen oft zu beobachten. Manche Rennmaushalter sind sich daher unsicher, ob es sich um gleichgeschlechtliche Tiere handelt.
Im Zweifelsfall ist eine erneute Geschlechtsbestimmung bei allen Tieren der Gruppe sinnvoll. Falls die betroffenen Tiere des gleichen Geschlechts sind, dient das beschriebene Verhalten meist zur KlĂ€rung der Rangordnung. Bei Weibchen ist das Besteigen auch zu beobachten, wenn sie  in Hitze sind. In beiden FĂ€llen besteht in der Regel kein Grund zur Sorge. 

Hitze kommt bei Weibchen ab Beginn der Geschlechtsreife bis ins hohe Alter vor. Das paarungsbereite Weibchen trommelt hierbei leicht mit den Hinterpfoten und drĂŒckt das Hinterteil auf den Boden, sobald eine andere Rennmaus in ihre NĂ€he kommt.
Dieses Verhalten zeigt dem MĂ€nnchen an, dass das Weibchen zur Paarung bereit ist und soll zum Besteigen animieren. Auch ein anderes Weibchen folgt dieser Aufforderung oft und nimmt so die Rolle des MĂ€nnchens ein.
Manche paarungsbereite Weibchen heben ihr Hinterteil leicht an, wenn man ihnen ĂŒber den RĂŒcken streicht.
Das Besteigen zur KlĂ€rung der Rangordnung tritt oft bei jungen RennmĂ€usen auf, die geschlechtsreif werden oder bei Tieren, die gerade vergesellschaftet wurden. Wenn dieses Verhalten auffĂ€llig oft auftritt oder zusĂ€tzliche Streitereien innerhalb der Gruppe erkennbar werden, ist eine aufmerksamere Beobachtung der Rennmausgruppe empfehlenswert. Bei weiteren AuffĂ€lligkeiten sollte eingegriffen werden, indem eine mögliche Ursache des Streits gefunden und Abhilfe geschaffen wird.

Bei einigen mĂ€nnlichen RennmĂ€usen kann es durch einen zu hohen Testosteronspiegel zu einem gesteigerten Sexualverhalten kommen. Diese RennmĂ€use besteigen ihre gleichgeschlechtlichen Gruppenmitglieder sehr hĂ€ufig und setzen diese dadurch teilweise enormen Stress aus. Das gesteigerte Sexualverhalten kann so stark ausgeprĂ€gt sein, dass ein normales Zusammenleben innerhalb der Gruppe kaum möglich ist, weil sich der Besteigende kaum mehr anderen AktivitĂ€ten zuwendet. Eine Behandlung von sexuell ĂŒberaktiven Rennmausböcken durch eine Hormonspritze ist möglich und kann in so einem Fall große Erleichterung bringen.

Lecken an HÀnden oder EinrichtungsgegenstÀnden

Bild: rennmaus.de

Mineralienmangel? Durst? Oder das Anzeichen einer Krankheit?

RennmĂ€use lecken in der Regel die Einrichtung, TerrarienwĂ€nde oder HĂ€nde ab, wenn sie an  Mineralien- oder Salzmangel leiden. Zur Sicherheit sollte die Trinkflasche auf mögliche Funktionsfehler ĂŒberprĂŒft und gegebenenfalls gereinigt werden. Falls die FlĂŒssigkeitsquelle in der Rennmausunterkunft keine AuffĂ€lligkeiten zeigt, die einen vermehrten Durst der Tiere vermuten lassen,  empfiehlt es sich, vorĂŒbergehend einen Mineral- oder Salzstein zur VerfĂŒgung zu stellen. Es ist darauf zu achten, dass die Tiere einen solchen Stein nicht als Nageersatz nutzen. Daher ist es sinnvoll, den Stein nur unter Beobachtung fĂŒr ein paar Minuten in das Gehege zu legen. Dies kann, sofern möglich, mehrmals am Tag wiederholt werden.

Des weiteren sollten die RennmĂ€use gut beobachtet und ihr Gewicht ĂŒberprĂŒft werden. Gewichtsverlust oder stark verĂ€nderte Verhaltensweisen deuten auf eventuelle Krankheiten hin. In diesem Fall sollte ein Tierarzt aufgesucht werden.

Eine andere Ursache kann in der ungĂŒnstigen Zusammenstellung des Rennmausfutters liegen. Um Mangelerscheinungen zu vermeiden, die durch Futter ausgelöst werden, sollte stets auf eine artgerechte ErnĂ€hrung geachtet werden.

Die Rennmaus beißt oder zwickt

Bei jungen oder neu eingezogenen RennmĂ€usen kommt es vor, dass sie ihren Halter bei einer Kontaktaufnahme in die Hand „beißen“ oder zwicken.

Wenn die Rennmaus fest zubeißt, möchte sie eventuell einen Eindringling aus ihrem Heim verjagen. Um dieser oft schmerzhaften Attacke vorzubeugen kann man die Hand zuvor mit Einstreu abreiben, damit sie den jeweiligen Gruppengeruch annimmt.

Zwickt die Rennmaus den Halter nur kurz in die Hand, kann dies mehrere Ursachen haben:

  • Die Hand riecht nach Futter
  • Die Rennmaus testet, ob Finger essbar sind: Gerade bei neugierigen Jungtieren ist dies keine Seltenheit
  • Die Rennmaus fĂŒhlt sich durch zu festes Halten in der menschlichen Hand bedroht
  • Die Rennmaus möchte nicht angefasst werden

Mit fortschreitendem Alter werden manche RennmÀuse das Zwicken einstellen, andere nicht.
Oft werden RennmĂ€usen Leckerlis auf der flachen Hand angeboten. Hier ist die Wahrscheinlichkeit grĂ¶ĂŸer, dass der Halter gezwickt wird. Es bietet sich an, das Leckerli anzubieten, wenn es zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten wird.  

Ansonsten hilft hier nur: Geduld und Pflaster bereithalten! Viel Erfolg!

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